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Wie sich das neue Europa beim alten Europa angesteckt hat

LONDON: Als in letzter Zeit Regierungen überall in Westeuropa begannen, Banken und deren Einleger zu retten, sahen die Osteuropäer nervös zu, unsicher, was der weltweite Finanzsturm für sie bereithalten würde. Nun hat der Sturm zugeschlagen und stellt die zerbrechlichen Bande europäischer Solidarität auf die Probe.

Zwei Länder – Ungarn und die Ukraine – haben bereits um große Unterstützungspakete gebeten. Mehrere weitere könnten im Laufe des kommenden Monats dazukommen, sofern die eingefrorenen Kreditmärkte nicht auftauen. Falls die Situation bis Jahresende anhält – was nicht auszuschließen ist –, könnten zahlreiche weitere Länder schwere Bankenkrisen erleben.

Osteuropa hat in den letzten beiden Jahrzehnten weit reichende Reformen unternommen und sich begeistert an der globalen Finanzintegration beteiligt. Ausländische Banken vor allem aus Europa sind mit nie da gewesener Geschwindigkeit und Macht auf diesen Märkten eingestiegen. Diese Banken haben sich zunehmend den stärker risikobehafteten KMUs zugewandt und den Menschen geholfen, Eigenheime zu erwerben und neue Unternehmen zu gründen. Doch nun schlägt die erfolgreiche Finanzentwicklung auf diese Länder zurück.

Bisher haben die europäischen Schwellenländer die globale Finanzklemme bemerkenswert gut weggesteckt. Sie sind mit der Konjunkturverlangsamung in wichtigen Exportmärkten zurechtgekommen und mit den steigenden Kreditkosten. Aber keine offene Volkswirtschaft kann einem vollständigen Stillstand der Kreditmärkte widerstehen. Vielleicht haben sich diese Länder zu stark von billigen Krediten abhängig gemacht, aber da wären sie nicht die Einzigen.