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Ein besserer Wirtschaftsplan für Japan

NEW YORK – Ein Vierteljahrhundert ist seit dem Platzen der japanischen Vermögenspreisblase vergangen, und wir haben ein Vierteljahrhundert der Wachstumsschwäche erlebt, in der ein „verlorenes Jahrzehnt“ auf das nächste folgte. Ein Teil der Kritik an Japans Wirtschaftspolitik ist unbegründet. Wachstum ist kein Ziel per se; worum es uns gehen sollte, ist der Lebensstandard. Japan ist, was die Eindämmung des Bevölkerungswachstums angeht, der Entwicklung voraus, und seine Produktivität steigt. Der Anstieg der Produktionsleistung pro Person im erwerbsfähigen Alter ist, insbesondere seit 2008, höher als in den USA, und viel höher als in Europa.

Trotzdem sind die Japaner der Ansicht, dass sie mehr leisten können. Und da stimme ich zu. Japan hat Probleme sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite, und in der Realwirtschaft wie im Finanzsektor. Um diese Probleme in Angriff zu nehmen, bedarf es eines Wirtschaftsprogramms, das mit größerer Wahrscheinlichkeit funktioniert als die Maßnahmen, die die Politiker in letzter Zeit verabschiedet haben und die es bisher nicht geschafft haben, das japanische Inflationsziel zu erreichen, wieder Vertrauen herzustellen oder das Wachstum auf das gewünschte Niveau zu steigern.

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Zunächst einmal würde eine hohe Kohlenstoffsteuer, wenn sie mit einer umweltfreundlichen Finanzpolitik einherginge, die Investitionen in den Umbau der Volkswirtschaft enorm ankurbeln. Diese Impulse würden die kontraktiven Auswirkungen, die es hätte, dass dem System Geld entzogen wird, und die negativen Vermögenseffekte des Wertverlustes „kohlenstoffbasierter Vermögenswerte“ fast mit Sicherheit überschreiten. Die negativen Vermögenseffekte aus dem Wertverlust derartiger Vermögenswerte wären gering; und da der Kapitalstock nur sehr schlecht mit dem neuen Preissystem harmonisieren würde, wären die so ausgelösten Investitionen hoch, sofern es bei der Schließung der Lücke keinen Investitionsstau gäbe.

Gäbe es diesen, könnte man das durch die Steuer aufgebrachte Geld zum Abbau der Staatsverschuldung nutzen; andernfalls könnte es zur Finanzierung von Investitionen in Technologie und Bildung verwendet werden, darunter Maßnahmen auf der Angebotsseite zur Verbesserung der Produktivität im japanischen Dienstleistungssektor. Diese Ausgaben könnten zugleich die Wirtschaft auf eine Weise ankurbeln, die sie endlich aus der Deflation zöge.

Viele Außenstehende machen sich Sorgen über die japanischen Schulden, die bei den heutigen niedrigen Zinsen leicht zu bedienen sind, es aber bei einem Anstieg der Zinssätze auf ein eher normales Niveau nicht mehr wären. Obwohl ich nicht erwarte, dass es in absehbarer Zeit zu einer derartigen Normalisierung kommt, könnte Japan zwei politische Ansätze verfolgen, um sich gegen derartige Probleme abzusichern.

Erstens könnte es einige seiner Schulden in Perpetuitäten umwandeln – nicht rückzahlbare Anleihen, die jedes Jahr einen (kleinen) Zinsertrag ausschütten. Dies würde das Risiko vollständig aus den Büchern der Regierung verlagern. Einige werden sich möglicherweise Sorgen machen, dass dies die Inflation begünstigen könnte, doch in Japans auf den Kopf gestellter Volkswirtschaft ist Inflation genau, was gebraucht wird. Ich glaube, dass die Sorgen über einen plötzlichen Anstieg der Zinsen stark überzogen sind, doch könnte die Regierung, wenn sie übervorsichtig sein wollte, jedes Jahr vielleicht 5% ihrer Schulden umwandeln, wenn nicht und bis ein übermäßiger Inflationsdruck aufträte.

Alternativ könnte die Regierung die Schulden in unverzinsliches Geld umwandeln – die lange befürchtete Monetisierung der Staatsverschuldung. Auch wenn die monetäre Finanzierung die Inflation eher ankurbeln würde als die Umwandlung der Schulden ins zinstragende Perpetuitäten, spricht das gegen nicht sie: Es ist nur ein Argument dafür, die Sache langsamer anzugehen.

Die zweite Möglichkeit, wie Japan sich gegen ein steiles Anziehen der Zinssätze wappnen könnte, setzt bei der Erkenntnis an, dass es sich bei einem großen Teil der Schulden um Beträge handelt, die der Staat sich selber schuldet. An der Wall Street scheinen viele nicht zu verstehen, dass es die Nettoverschuldung ist, die zählt: das, was die Regierung der übrigen Gesellschaft schuldet. Wenn die Regierung das Geld, das sie sich selbst schuldet, zurückzahlen würde – es also aufrechnen würde – hätte sich faktisch nichts geändert. Diejenigen an der Wall Street jedoch, die nur auf die gesamtstaatliche Schuldenquote achten, würden Japan plötzlich positiver betrachten.

Falls nach all dem noch immer Anzeichen für einen Nachfragemangel bestünden, könnte die Regierung die Verbrauchssteuern senken, die Steuerbegünstigung von Investitionen ausweiten, ihre Programme zur Unterstützung von Haushalten mit niedrigem bis mittlerem Einkommen erweitern oder mehr in Technologie und Bildung investieren und all dies über die Notenpresse finanzieren. Auch hier gilt: Die traditionelle Wirtschaftlehre würde sich dabei Sorgen über die Inflation machen; Japan jedoch wünscht sich, dass diese „Befürchtungen“ eintreten.

Japan hat nicht bloß ein Nachfrageproblem. Die Daten zur Produktionsleistung pro Arbeitsstunde deuten auf ein Problem auf der Angebotsseite hin, das sich am deutlichsten im Dienstleistungssektor manifestiert. Der der beeindruckende Erfindergeist, der in so vielen Fertigungsbranchen erkennbar ist, ist hier praktisch nirgends erkennbar. Eine natürliche Nische für Japan wären technologische Entwicklungen im Dienstleistungssektor, wie etwa die Entwicklung diagnostischer Instrumente in der Gesundheitsbranche.

Ministerpräsident Shinzo Abe jedoch verfolgt einen ganz anderen Ansatz und unterstützt das Abkommen über die Trans-Pazifische Partnerschaft mit den USA und zehn weiteren Pazifik-Anrainerstaaten. Abe glaubt, dass die TPP benötigte Reformen in der japanischen Landwirtschaft erzwingen würde (obwohl interessanterweise in den USA niemand glaubt, dass sie helfen würde, die USA zu einer Abkehr von ihrer hochgradig verzerrenden Agrarpolitik zu bewegen). Tatsächlich hätten derartige Reformen nur minimale Auswirkungen auf das BIP, und zwar schlicht deshalb, weil nur ein sehr kleiner Teil der Produktionsleistung auf die Landwirtschaft entfällt. Trotzdem bleiben derartige Reformen wünschenswert und stellen eine weitere Arena dar, in der junge Japaner ihren Einfallsreichtum zeigen könnten (obwohl die TPP nicht der beste Weg ist, um dies herbeizuführen).

Andererseits tut Abe Recht daran, eine Politik zu verfolgen, die Frauen umfassender und gleichberechtigter in die Erwerbsbevölkerung eingliedert. Derartige Maßnahmen würden, wenn sie denn erfolgreich wären, sowohl die Produktivität als auch das Wirtschaftswachstum anschieben.

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Selbst nach einem Vierteljahrhundert der Stagnation bleibt Japan die drittgrößte nationale Volkswirtschaft. Eine Politik, die dazu beitragen kann, den Lebensstandard dort zu erhöhen, wird Nachfrage und Wachstum anderswo in der Weltwirtschaft ankurbeln. Ebenso wichtig ist, dass Japan, genau wie es innovative Waren und Technologien weltweit verbreitet hat, letztlich auch seine erfolgreiche Politik exportieren könnte, sodass dieselben oder ähnliche Maßnahmen auch in anderen hochentwickelten Ländern den Lebensstandard erhöhen könnten.

Aus dem Englischen von Jan Doolan