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Vernetzte Machthaber

CAMBRIDGE – In einer Umgebung mit Mobiltelefonen, Computern und Websites wie MySpace, Facebook und LinkedIn ist die Aussage, dass wir in einer vernetzten Welt leben, zu einem Allgemeinplatz geworden. Doch bieten unterschiedliche Netzwerke neue Formen der Macht und erfordern einen anderen Führungsstil. Barack Obama versteht dies; es hat ihm sogar geholfen, seinen Sieg zu sichern.

Obwohl Obama wohl kaum der erste amerikanische Politiker war, der das Internet genutzt hat, war er derjenige, der neue Technologie am effektivsten eingesetzt hat, um Geld von kleinen Spendern zu beschaffen, Freiwillige zu motivieren und zu koordinieren und seine Botschaften direkt an die Wähler zu übermitteln. Jetzt steht er vor der Frage, wie er Netzwerke zum Regieren nutzen kann.

Netzwerke haben viele verschiedene Formen und Größen. Einige schaffen starke Bindungen, während andere schwache Bindungen erzeugen. Man denke an den Unterschied zwischen Freundschaften und Bekanntschaften. Wertvolle Informationen werden eher unter Freunden weitergegeben als unter Bekannten. Schwache Bindungen reichen dagegen weiter und bieten neuartigere, innovativere und weniger redundante Informationen.

Netzwerke, die auf starken Bindungen beruhen, erzeugen die Macht der Loyalität, können jedoch zu Cliquen werden, in denen allgemein gängige Überzeugungen wiedergekäut werden. Sie können dem „Gruppendenken“ erliegen. Deshalb ist es wichtig, dass Obama sein Kabinett mit so unterschiedlichen Personen besetzt hat. Im Hinblick auf seine Bereitschaft, sowohl Rivalen als auch Freunde in sein Team aufzunehmen, wurde er mit Abraham Lincoln verglichen.