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Weder Hilfe noch Handel

Für viele Afrikaner sind die gegenwärtig festgefahrenen WTO-Verhandlungen eine altvertraute Geschichte in großer Aufmachung - die reiche Familie ignoriert ihre armen Verwandten auf dem Land. Die armen Vettern schicken viele Briefe mit der Bitte um Hilfe für Schulgebühren, Saatgut und Dünger, aber die Verwandten in der Stadt antworten, dass man bereits in der Vergangenheit Hilfe geschickt hat, die dann aber schlecht eingesetzt wurde. Nun sagen sie: ,,Krempelt eure Ärmel hoch! Greift auf eure eigenen Ersparnisse zurück!"

Aber die armen Verwandten auf dem Land haben keine Ärmel zum Hochkrempeln und auch kein Geld zum Sparen. Sie haben ein paar Dinge zu verkaufen und daher sind sich alle einig: Es muss Handel statt Hilfe sein. Aber die Preise sind niedrig und die Armen haben wenig zu verkaufen - und sie kommen aus dieser Situation nicht heraus, solange sich nicht grundlegend etwas ändert. Wissenschaftsbasierte Forschung und Entwicklung (F&E) ist eine der wenigen Möglichkeiten, echte Innovationen zu entwickeln, die die Produktivität der Armen trotz nachteiliger Bedingungen erhöhen. Aber der Ansatz ,,Handel statt Hilfe" trägt nichts dazu bei, den Nutzen von Forschung und Technologie zu den Menschen zu bringen, die ihn am nötigsten hätten - zu den Armen dieser Welt.

In der realen Welt der globalen Märkte könnte sich die ,,Entwicklungsrunde" der WTO-Verhandlungen von ihrem Zusammenbruch heuer in Cancun erholen und am Ende doch den von der Wirtschaftstheorie versprochenen Nutzen bringen: Ein größeres Handelsvolumen, bessere Handelsbedingungen sowie die Ankurbelung von Investitionen und Technologietransfer, wovon wiederum sowohl die Armen als auch die Reichen profitieren.

Aber was, wenn die GATT-/WTO-Mitgliedschaft nicht zu den erwarteten Vorteilen wie gesteigerten Handel oder einer offenen Handelspolitik führen - von wirtschaftlicher Entwicklung ganz zu schweigen?