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Wachstum durch Negativzinsen?

NEW YORK – Die Geldpolitik ist in den letzten sechs Jahren immer unkonventioneller geworden. Die Zentralbanken haben eine Nullzinspolitik, die quantitative Lockerung, eine Lockerung der Kreditvergabe und die sogenannten „Forward Guidances“ umgesetzt und ohne Ende beim Wechselkurs interveniert. Nun jedoch sind wir beim unkonventionellsten geldpolitischen Instrument überhaupt angelangt: negativen Nominalzinsen.

Derartige Zinssätze gibt es derzeit in der Eurozone, der Schweiz, Dänemark und Schweden. Und es sind nicht nur die kurzfristigen Leitzinsen, die inzwischen nominal negativ sind: Anlagen im Wert von rund drei Billionen Dollar in Europa und Japan mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren (im Falle von Schweizer Staatsanleihen) weisen inzwischen negative Zinssätze auf.

Auf den ersten Blick scheint dies absurd: Warum sollte man sein Geld zu negativen Nominalzinsen anlegen, wenn man doch einfach auf dem Geld sitzen und zumindest nominal nichts verlieren würde?

Tatsächlich akzeptieren die Anleger real (inflationsbereinigt) negative Renditen schon seit langem. Wenn Sie bei Ihrer Bank ein unverzinstes Spar- oder Girokonto haben – wie das in den hochentwickelten Volkswirtschaften die meisten Leute haben –, ist die Realverzinsung negativ (nominaler Zins von null, abzüglich Inflation): In einem Jahr können Sie mit Ihrem Guthaben weniger Waren kaufen als heute. Und wenn Sie dann noch die Gebühren berücksichtigen, die viele Banken auf diese Konten erheben, war auch hier der nominale Effektivzins bereits negativ, noch bevor die Zentralbanken auf negative Nominalzinssätze verfallen sind.