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Gebraucht, aber nicht geliebt

NEW YORK – Baruch Spinoza, der niederländische Philosoph aus dem siebzehnten Jahrhundert, Benjamin Disraeli, der britische Premierminister aus dem neunzehnten Jahrhundert, und Nicolas Sarkozy, der französische Präsident aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert, haben eine Sache gemeinsam: alle waren Einwanderer. Die Menschen wandern seit Tausenden von Jahren in andere Länder – um zu entkommen, ihr Glück zu suchen, in Freiheit zu leben, oder einfach nur, um noch einmal von vorne anzufangen. Nicht wenige haben ihre neue Heimat bereichert, indem sie selber große Dinge schufen oder Kinder hatten, die dies taten.

Neue Einwanderungswellen werden selten mit offenen Armen empfangen, wenn überhaupt jemals. Aber sie werden oft gebraucht. Während der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert sind viele Menschen von Nordafrika und der Türkei nach Westeuropa ausgewandert, nicht weil sie auf die Großzügigkeit des Westens hofften, sondern weil sie dort Arbeiten erledigen konnten, die die Einheimischen nicht mehr ausführen wollten. Sie wurden allerdings als ein vorübergehendes Phänomen behandelt, als Gastarbeiter, nicht als Einwanderer.

Nach getaner Arbeit erwartete man, dass die Immigranten zurück in ihre Herkunftsländer gehen würden. Als klar wurde, dass die meisten beschlossen hatten zu bleiben und ihre ausgedehnten Familien zu sich holten, wurde vielen widerwillig die Staatsbürgerschaft europäischer Staaten gewährt, oft ohne dass sie als solche behandelt wurden.

Xenophoben sahen genauso wie linke Multikulti-Ideologen diese neuen Europäer als gänzlich andere Menschen an als die im Land geborenen, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Für Multi-Kulturalisten waren die Versuche, Menschen, die nicht aus dem Westen kamen, in den westlichen Mainstream zu integrieren, eine Art neo-kolonialer Rassismus, während Xenophoben ganz einfach nichts mochten, was anders aussah, sprach und roch.