kotrikadze2_ DIMITAR DILKOFFAFP via Getty Images_navalny Dimitar Dillkoff/AFP via Getty Images

Nawalnys Rückkehr

MOSKAU – Alexei Nawalny ist im Begriff, den bequemsten Monat Russlands zu stören. Wie bereits zu Sowjetzeiten erstrecken sich die Neujahrsferien bis weit in den Januar hinein. In dieser Zeit können die Russen trinken, Orangen essen und sich nostalgische Romantikkomödien aus den 1970ern anschauen. Die Politik macht dabei normalerweise Pause – aber vielleicht nicht in diesem Jahr, da Nawalny nach seiner Vergiftung im letzten August plant, am 17. Januar aus Berlin in seine Heimat zurückzukehren.

Dass dieser Januar anders werden könnte, deutete sich bereits Ende 2020 an. Wir Russen erfuhren, dass Nawalny, der wichtigste Oppositionsführer des Landes, Ziel eines Mordanschlags wurde, der fast sicher im Auftrag des Kreml ausgeführt wurde. Und anstatt uns zu schützen, war der russische Geheimdienst FSB, der Nachfolger des KGB, mit dem Versuch beschäftigt, Regimegegner auszuschalten.

Eine Untersuchung durch Journalisten von Bellingcat, The Insider und CNN ergab ein klares Bild, wie der Kreml Nawalny auf seiner Reise in die sibirische Stadt Tomsk im August mit dem Nervengift Nowitschok vergiften ließ. Dabei hat er Glück gehabt, dass die Mordfähigkeiten des FSB mit der Zeit nachgelassen haben. Die Aktion schlug fehl, und Nawalny führt nun – manchmal auf fast komödiantische Weise – seine Angreifer in der Öffentlichkeit vor. Einer von ihnen gab sogar Details des Anschlags am Telefon preis, da er überzeugt war, er spreche mit jemandem im „System“. Aufgezeichnet wurde der Anruf durch Nawalny selbst.

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