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Umweltrisiken und Staatsanleihen

NAIROBI – Bevor vor vier Jahren die globale Finanzkrise ausbrach, galten Staatsanleihen traditionell als verlässliche und so gut wie risikolose Anlagen. Seitdem machen sie einen immer weniger sicheren Eindruck. Und viele Beobachter von inner- und außerhalb des Finanzsektors stellen die Modelle in Frage, anhand derer Rating-Agenturen, Investmentfirmen und andere die Risiken solcher Wertpapiere beurteilen.

Gleichzeitig ist es immer offensichtlicher, dass jede Reform von Risikomodellen Umweltgesichtspunkte und die Knappheit natürlicher Ressourcen berücksichtigen muss. Tatsächlich hat ein aktueller Investmentbericht bestätigt, dass der Preisverfall von 33 wichtigen Rohstoffen im 20. Jahrhundert – darunter Aluminium, Palmöl und Weizen – in den zehn Jahren seit 2002 komplett zunichte gemacht wurde, als sich die Rohstoffpreise verdreifachten.

Wahrscheinlich führt die wachsende Knappheit natürlicher Ressourcen zu einem Paradigmenwechsel mit potenziell gewaltigen Auswirkungen auf die Volkswirtschaften in aller Welt – und damit auf das Risiko von Staatsanleihen. In der Tat steigen in vielen Ländern bereits die Importpreise für biologische Ressourcen. Die Finanzmärkte können nicht länger übersehen, dass Ökosysteme und die durch sie bereitgestellten Dienstleistungen und Produkte in Höhe von vielen Billionen Dollar – von Wasser, Kohlenstoffspeicherung und Holz bis hin zu gesunden Böden für den Pflanzenanbau – die Grundlage für die Wirtschaftsleistung darstellen.

Wir leben in einer Welt, in der die übermäßige Ausbeutung natürlicher Ressourcen, hoher Konsum und der Zustand vieler Ökosysteme mit dem zunehmenden Bevölkerungswachstum nicht mehr vereinbar sind, wenn die menschliche Bevölkerung von heute sieben Milliarden bis 2050 auf über neun Milliarden anwachsen sollte.