Faschismus mit feministischem Antlitz

NEW YORK – Der westliche Feminismus hat einige denkwürdige Fehler begangen. Einer der schwerwiegendsten ist die häufig geäußerte Behauptung, wonach  Frauen, wären sie in Entscheidungspositionen, „netter und sanfter” agieren würden (eine für George H.W. Bush 1988 konzipierte Phrase, um bei den Wahlen Frauen anzusprechen). Tatsächlich wimmelt es in der so genannten „zweiten Welle“ der feministischen Theorie von Behauptungen, dass Krieg, Rassismus, Hierarchiegläubigkeit und allgemeine Unterdrückung zum „Patriarchat“ gehören. Im Gegensatz dazu würde die Führerschaft von Frauen auf ganz natürliche Weise eine inklusivere und gemeinschaftlichere Welt schaffen.

Das Problem dabei ist, dass es nie so funktioniert hat und daran sollte uns der Aufstieg von Frauen in die Führungspositionen rechtsextremer Parteien in Westeuropa erinnern. Spitzenpolitikerinnen wie Marine Le Pen vom Front National in Frankreich, Pia Kjærsgaard von der dänischen Volkspartei und Siv Jensen von der Fortschrittspartei in Norwegen spiegeln die ungebrochene Anziehungskraft neofaschistischer Bewegungen für viele Frauen in egalitären, inklusiven und liberalen Demokratien wider.

Die Vergangenheit ist Prolog: In ihrem jüngsten Buch Hitler’s Furies: German Women in the Nazi Killing Fields fügt Wendy Lower der langen Liste von Frauen in gewalttätigen rechten Bewegungen noch weitere Beispiele hinzu. Und der Aufstieg rechtsextremer Bewegungen in Europa - vielfach mit Frauen an der Spitze - konfrontiert uns mit der Tatsache, dass die Erben des Faschismus der 1930er Jahre über ihren eigenen geschlechtsspezifischen Reiz verfügen. 

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