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Das Mädchen kann nichts dafür

NEW YORK – Als Mary Barra Anfang Dezember zur CEO von General Motors ernannt wurde – als erste Frau an der Spitze eines großen US-Automobilherstellers – schien dies für viele ein Meilenstein im Kampf der Frauen für gleiche Rechte und Möglichkeiten zu sein. Aber ist in einem Klima, in dem laut Catalyst, dem feministischen Aufklärer über Karriereblockaden, nur 4,2% der CEOs der US-Fortune-500-Unternehmen Frauen sind, die Ernennung Barras wirklich ein Sieg?

Eine Möglichkeit, diese Frage zu beantworten, ist festzustellen, wer die Wertungen abgibt. In den Vereinigten Staaten, sind einer Zählung zufolge zwei Drittel der professionellen Journalisten Männer, und Männer sind für fast 90% der in den traditionellen Medien veröffentlichten Wirtschafts- und Unternehmensnachrichten verantwortlich. Tatsächlich wird sämtliches Reden über einen Sieg durch die reflexive Weltsicht einer von Männern dominierten Unternehmensberichterstattung abgewertet, egal, ob für Barra oder den Rest von uns – einschließlich leicht zu beeindruckender 15-jähriger Mädchen auf der Suche nach Vorbildern und stärkenden Botschaften.

Feministische Sprach- und Medienanalytikerinnen der 1970er Jahre, darunter die Kritikerin Dale Spender, haben untersucht, wie Sprache dazu verwendet wird, erfolgreichen Frauen Verdienste, Macht und Kraft vorzuenthalten. Diese Kritik ist bis heute gültig.

Viele Nachrichtenmeldungen über weibliche CEOs und andere erfolgreiche Frauen sind mit bewährten Klischees kodiert: Sie haben ihre neue Rolle nur durch Glück erreicht (und verdienen sie deshalb nicht), sie haben sie von männlichen Verwandten oder Partnern geerbt (und sind daher nicht wirklich an der Macht oder werden es nicht lang sein). Wenn das alles nicht hilft, konzentriert sich die Berichterstattung so stark auf das Geschlecht, dass die Führungskraft der Frau geschwächt wird.