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Machtlose Frauen an der Macht?

NEW YORK – Werden weibliche Politiker endlich eigenständig? Gewinnen sie nicht mehr nur Wahlen, sondern sind sie auch endlich dazu in der Lage, mit nicht mehr – und auch nicht weniger – Schläue, Skandalen und Spott Kampagnen zu führen und zu regieren, als ihre männlichen Kollegen?

Oberflächlich betrachtet scheint es, dass wir den Moment des Durchbruchs erreicht haben, an dem das Geschlecht nicht mehr das wichtigste Thema ist. In den Vereinigten Staaten bereitet sich Hillary Clinton auf ihre zweite Präsidentschaftskandidatur vor, und Janet Yellen ist die erste weibliche Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve – was weithin als eine der weltweit mächtigsten Positionen gilt.

Darüber hinaus ist das amerikanische Fernsehen voll mit Shows, die Frauen als Top-Politiker zeigen, darunter „Madame Secretary“ mit der unglaublich hübschen Téa Leoni als Außenministerin und „Veep“ mit Julia Louis-Dreyfus als charmante und komische Vizepräsidentin. Das zentrale Thema dieser Fernsehshows ist nicht, dass die Hauptrollen von Frauen gespielt werden. Die Handlung wird durch den Charakter bestimmt und nicht durch das Geschlecht.

Außerhalb der Vereinigten Staaten haben Frauen bereits die höchste Stufe der Macht erreicht. In Deutschland hat die Kanzlerin Angela Merkel bereits drei Wahlen gewonnen, und wird für ihre Sparpolitik respektiert oder kritisiert, nicht für ihr Geschlecht. Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner wird für ihr wirtschaftliches Missmanagement angegriffen. US-Banken kritisieren sie dafür, dass sie den Gläubigern des Landes eine Schuldenumstrukturierung aufzwingt, und nicht dafür, dass sie eine Frau ist. In Israel greifen die Falken die Justizministerin Zipi Livni an, weil ihre Ansichten über die Frage eines palästinensischen Staates leicht links von der Mitte verortet sind – genau so, wie sie einen Mann in ihrer Position angreifen würden. Und in allen skandinavischen Ländern außer Schweden sind die Premierministerinnen Frauen.