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Aspekte für eine Weltregierung

WASHINGTON, DC – Die bald stattfindenden Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank und die darauf folgende Handelsministerkonferenz der Welthandelsorganisation auf Bali werden im Gegensatz zur Vergangenheit wohl nicht von großen Protesten begleitet. Dies ist aber nicht deshalb der Fall, weil diese internationalen Institutionen etwa als effektiv oder legitim betrachtet würden. Der Grund ist vielmehr, dass sie im Vergleich zum letzten Jahrzehnt als zu klein und unwichtig wahrgenommen werden, als dass man sich angesichts größerer Marktkräfte um sie kümmern müsste.

Durch die Finanzkrise von 2008 und die Zeit danach ist nicht nur gegenüber den Märkten Vertrauen verloren gegangen, sondern auch in die Fähigkeit demokratischer Regierungen, sicherzustellen, dass die Vorteile marktbasierten Wachstums großen Teilen der Bevölkerung zugute kommen. Bezüglich Wirtschafts-, Finanz-, Steuer-, Handels- oder Klimaproblemen fühlen viele Menschen weltweit Angst oder Wut und glauben, eine globale Vetternwirtschaft von Bankern, Konzernen und G-20-Eliten würde durch Insidergeschäfte den Nutzen der Globalisierung monopolisieren.

Aber nur wenige Menschen – seien es normale Bürger oder international orientierte Ökonomen – erkennen, dass unsere scheinbar schwachen und ineffektiven multilateralen Organisationen bei der Regulierung und Demokratisierung des globalen Marktes die größte Hoffnung für die Welt darstellen. Nur diese Institutionen können den Eroberungsdrang der Elite und die Insidergeschäfte verhindern, die den weltweiten Reichtum langfristig gefährden..

Natürlich ist sich eine wachsende Anzahl von Mainstream-Ökonomen der Kosten ungezähmter Weltmärkte bewusst. Mehr Besorgnis herrscht darüber, dass grenzüberschreitende Kapitalflüsse es erschweren, im Inland Steuern einzunehmen und Finanzregulierungen durchzusetzen, und dass Handelsabkommen gemeinsam mit globalen Lieferketten die Verluste von Arbeitsplätzen in den Industrienationen verstärken. Ebenso bedeutet globale Integration, dass die Probleme der Eurozone die US-Wirtschaft gefährden, während das Patt bei der US-Schuldengrenze die Finanzmärkte weltweit bedroht.