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Grenzenlose Krisen, rücksichtslose Störer und hilflose Ordnungshüter

MÜNCHEN – Die internationale Ordnung befindet sich in ihrem vielleicht schlimmsten Zustand seit Ende des Kalten Krieges. Diejenigen, die versuchen, Frieden zu wahren, sind überfordert und oft hilflos angesichts scheinbar endloser Krisen und rücksichtsloser Störer. Wenn am Wochenende hochrangige Politiker aus aller Welt in Deutschland zur 52. Münchner Sicherheitskonferenz zusammenkommen, werden sie versuchen, einen Weg durch sehr gefährliches Gelände abzustecken.

Zwar gab es im vergangenen Jahr durchaus auch gute Nachrichten. Durch nachhaltige diplomatische Bemühungen konnten zwei Durchbrüche mit potenziell weitreichenden positiven Auswirkungen erzielt werden: die Übereinkunft über das iranische Nuklearprogramm und das Pariser Klimaübereinkommen. Ansonsten freilich zeichnet sich ein düsteres Bild ab.

Die aktuellen großen Krisen überschreiten internationale Grenzen und stellen sie sogar in Frage. Die Kriege in Syrien und im Irak haben nicht nur die Auflösung der politischen Ordnung im Nahen Osten angeheizt, sondern zudem Europa vor die schwierige Aufgabe gestellt, eine gemeinsame Lösung für den Zustrom von Flüchtlingen zu finden. Niemals seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden so viele Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.

Tatsächlich versinnbildlicht der Nahe Osten inzwischen die Art und Weise, wie sich ein Konflikt selbst weitab vom Kampfgeschehen bemerkbar machen kann. Der Konflikt in Syrien ist längst kein Bürgerkrieg mehr; er hat sich zu einer ausgemachten regionalen Krise ausgeweitet. Der Islamische Staat mit seiner territorialen Basis, aggressiven Online-Präsenz und seinem militanten internationalen Netzwerk (das auch Gefolgsleute in Europa einschließt) hat sich als echte globale Organisation erwiesen.