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Die richtigen Entscheidungen für 2015

WASHINGTON, DC – Das Jahresende 2014 naht, und die Politik steht nun weltweit vor drei grundlegenden Entscheidungen: sich um Wirtschaftswachstum zu bemühen oder Stagnation zu akzeptieren, auf mehr Stabilität hinzuarbeiten oder Gefahr zu laufen, der Instabilität zu erliegen, und zusammenzuarbeiten oder seinen eigenen Weg zu gehen. Dabei könnte gar nicht mehr auf dem Spiel stehen; 2015 verspricht, ein entscheidendes Jahr für die Weltgemeinschaft zu werden.

Zunächst einmal braucht es Wachstum und Arbeitsplätze, um im Gefolge der Großen Rezession, die 2008 begann, Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu unterstützen. Sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise bleibt der Aufschwung schwach und ungleichmäßig. Für 2014 wird ein globales Wachstum von nur 3,3% vorhergesagt; für 2015 sind es 3,8%. Einige wichtige Volkswirtschaften kämpfen noch immer mit der Deflation. Mehr als 200 Millionen Menschen sind arbeitslos. Die Weltwirtschaft droht, in einem „neuen Mittelmaß“ stecken zu bleiben – einer anhaltenden Phase schwachen Wachstums, in der kaum Arbeitsplätze geschaffen werden.

Um der Stagnation zu entkommen, brauchen wir wieder eine politische Dynamik. Die Umsetzung der im November von den Staats- und Regierungschefs der G20 vereinbarten Maßnahmen würde das weltweite BIP bis 2018 um mehr als 2% steigern – was zusätzlichen weltweiten Einnahmen von zwei Billionen Dollar entspricht. Falls außerdem bis 2025 das lobenswerte, aber nicht übermäßig ehrgeizige Ziel erreicht wird, die Kluft zwischen den Geschlechtern um 25% zu verringern, könnten 100 Millionen Frauen Arbeitsplätze haben, die vorher keine hatten. Staats- und Regierungschefs weltweit haben den Internationalen Währungsfonds aufgefordert, die Umsetzung dieser Wachstumsstrategien zu überwachen. Das werden wir tun – Land für Land und Reform für Reform.

Neben Strukturreformen erfordert der Aufbau einer neuen Dynamik, alle nur möglichen Hebel zu ziehen, die die weltweite Nachfrage unterstützen können. Eine lockere Geldpolitik bleibt so lange unverzichtbar, wie das Wachstum blutleer bleibt – auch wenn wir sorgfältig auf potenzielle Nebenwirkungen achten müssen. Die Fiskalpolitik sollte sich auf die Wachstumsförderung und die Schaffung von Arbeitsplätzen konzentrieren und zugleich mittelfristige Glaubwürdigkeit aufrechterhalten. Und die Arbeitsmarktpolitik sollte den Schwerpunkt weiterhin auf Aus- und Weiterbildung, eine bezahlbare Kinderbetreuung und Flexibilität am Arbeitsplatz setzen.