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Bewegende bewegte Bilder

CANNES – Das diesjährige Filmfestival in Cannes war von einem tiefen Kontrast zwischen den Filmpremieren und dem gekennzeichnet, was sich an der Croisette abspielte, der palmengesäumten Fußgängerpromenade, die sich zwischen aneinandergereihten Luxushotels und dem azurblauen Mittelmeer erstreckt.

Äußerlich wurde alles von Glamour, Exzessen, Getue und Markennamen beherrscht. Freizügig gekleidete junge Frauen auf zehn Zentimeter hohen Absätzen waren auf der Pirsch nach reichen Männern – oder wurden von diesen für Dekorationszwecke auf Jachten und Premierenpartys importiert. Die allabendliche, von Fotografen flankierte Parade der Stars auf dem roten Teppich wurde wie ein Relikt aus einer ritualisierteren Zeit abgewickelt.

Das Programm im Inneren des Festspielpalastes, dem klotzigen, brutalistischen Bauwerk, in dem die Filme gezeigt werden, war in diesem Jahr mit den Geschichten einfacher oder armer Menschen gefüllt, die mit den Konsequenzen der globalen Themen kämpfen, durch die wir zunehmend miteinander verbunden sind – oder mit Menschen, die schmerzlichen politischen Konflikten ins Auge sehen, die in den offiziellen Versionen der Geschichte bereits ad acta gelegt wurden. Wenn in der Vergangenheit Filme in Cannes gezeigt wurden, die hunderte von verschieden Geschichten erzählt haben, dann hat das Programm in diesem Jahr gezeigt, dass es in einer zunehmend flacheren und vernetzten Welt in Wirklichkeit nur eine Geschichte gibt – mit hundert verschiedenen Wendungen.

Gewinner der Goldenen Palme ist Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives des jungen, talentierten thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul. Diese spanisch-deutsch-französisch-britisch-thailändische Koproduktion ist eine Form der internationalen Zusammenarbeit, die wir bei Filmen immer häufiger beobachten – eine Form der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, die für andere Arten globaler zivilgesellschaftlicher Projekte wegweisend sein sollte.