Was treibt den moralischen Fortschritt an?

DAVOS – Was wäre, wenn Plato, der Philosoph des antiken Griechenlands, heute mit uns über die Art von Fragen debattieren würde, die er damals als erster stellte und die uns heute noch beschäftigen? Meiner Ansicht nach würde er viele neue Fragen stellen – darunter solche über unsere immer psychologischere Herangehensweise an philosophische Diskussionen.

Wahrscheinlich würde Plato ein weltweit führendes Technologiezentrum besuchen: die kalifornische Google-Zentrale. Dort könnte er beispielsweise mit Software-Entwicklern darüber diskutieren, ob ethische Fragen durch Crowdsourcing beantwortet werden können. Eine derart platonische und abstrakte Idee wie die der Informations-Cloud würde er wahrscheinlich lieben, und Google wäre für ihn das ideale Werkzeug, sein Wissen über die enormen wissenschaftlichen und technischen Fortschritte der letzten beiden Jahrtausende aufzufrischen.

Aber am meisten wäre Plato wahrscheinlich über den moralischen Fortschritt der Welt begeistert. Immerhin war er der Ansicht, „Philosophen“ sollten auch die Verantwortung für moralische Reformen übernehmen. Aber obwohl Ethik und Moral immer im Mittelpunkt seines Denkens standen, kamen ihm viele der moralischen Wahrheiten, die wir heute für selbstverständlich halten, nie in den Sinn.

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