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Moralische Dilemmata für Fannie und Freddie

NEW HAVEN: Die Übernahme der Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung stellt einen enormen Bailout der Gläubiger dieser Institutionen dar, deren Verluste sich angesichts fallender Häuserpreise immer weiter aufgebläht hatten. Jetzt, da die Regierung komplett für Fannies und Freddies Schulden einsteht, werden Amerikas Steuerzahler all das zahlen müssen, was nicht durch die unzureichenden Finanzmittel ihrer Gläubiger abgedeckt ist.

Warum eine solche Rettungsaktion im unverhohlen kapitalistischsten Land der Welt? Beinhalten die altehrwürdigen Prinzipien des Kapitalismus nicht, dass jene, die an die Immobilienblase geglaubt und ihr Geld in Fannie und Freddie investiert haben, nun deren Verluste akzeptieren müssen? Ist es fair, dass jetzt unschuldiger Steuerzahler deren Fehler ausbaden müssen?

Die Antworten auf diese Fragen wären offensichtlich, wenn die moralischen Probleme der gegenwärtigen Finanzkrise klar umrissen wären. Aber sie sind es nicht.

Vor allem ist unklar, ob der Bailout die US-Steuerzahler unterm Strich tatsächlich etwas kosten wird. Möglicherweise verhindert er weitere systemische Effekte, die den Finanzsektor und damit die Weltwirtschaft in die Knie zwingen würden. Nur weil sich systemische Effekte schwer quantifizieren lassen, kann man daraus nicht folgern, dass es sie nicht gibt.