Geldpolitische Zauberei

CHICAGO: Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten scheint sich erneut zu verlangsamen. Dies könnte temporäre Faktoren wie den japanischen Tsunami widerspiegeln, der für Störungen in den Lieferketten sorgte und dazu führte, dass einige Fabriken ihren Betrieb einstellten. Auch die hohen Ölpreise haben ihren Zoll vom verfügbaren Einkommen gefordert und das Wachstum bei der Verbrauchernachfrage gehemmt. Dies hat zu einem Aufbau der Lagerbestände geführt und damit zu Einschnitten bei der Produktion.

Konjunkturerholungen verlaufen selten gradlinig, vor allem, wenn sie so schwach sind wie die jetzige. Doch egal, ob die Faktoren, die der jüngsten Abschwächung zugrunde liegen, temporär oder von Dauer sind: Es wird Aufforderungen an die US Federal Reserve geben, etwas zu tun.

Einige Amerikaner betrachten US-Notenbankchef Ben Bernanke als eine Art modernen Magier, der in der Lage ist, die Volkswirtschaft durch Wedeln seines geldpolitischen Zauberstabes neu zu beleben – erst durch ultraniedrige Zinsen, dann durch quantitative Lockerung und irgendwann vielleicht durch Anwerfen der Druckpresse. Solange die Inflation niedrig ist, wollen sie, dass die Fed jeden ihr zur Verfügung stehenden Zauberspruch nutzt, um die Wirtschaft zu beleben. Wie die Generäle im Ersten Weltkrieg, die auf jedes Gemetzel an ihren Leuten regierten, indem sie in dem vergeblichen Versuch, den Feind zu erdrücken, neue Soldaten aus ihren Schützengräben nach vorn warfen, reagieren die Befürworter des „freien Geldes“ mit der Forderung: „Mehr!“, wenn ihre Strategie nicht zu funktionieren scheint.

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