kaletsky66_ANDREW CABALLERO-REYNOLDSAFP via Getty Images_IMFGeorgievaconfused Andrew Caballero-Reynolds/AFP/Getty Images

Die monetaristische Ära ist vorbei

LONDON – Bei den Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in diesem Monat in Washington, D.C. herrschte eine düstere Stimmung. Doch war die wahre Ursache dafür nicht die Furcht vor einer weltweiten Rezession. Auch wenn die jüngste Aktualisierung des World Economic Outlook des IWF zeigt, dass sich die Wirtschaftsaktivität in diesem Jahr auf ihr schwächstes Niveau seit 2009 verlangsamt hat, liegt die prognostizierte globale Wachstumsrate von 3% noch immer deutlich über dem Niveau früherer Rezessionen und würde der annehmbaren Wirtschaftslage in den meisten Teilen der Welt entsprechen – kein schlechtes Ergebnis im elften Jahr nachhaltiger globaler Expansion. Und für nächstes Jahr sagt der IWF eine Wachstumszunahme auf 3,4% vorher, was dem Schätzwert von 3,6% für den langfristigen Trend sehr nahe kommt.

Man könnte argumentieren, dass die IWF-Prognose einer Konjunkturerholung im kommenden Jahr nur bedingt glaubwürdig ist, und zwar schlicht, weil alle Wirtschaftsmodelle so konzipiert sind, dass sie sich tendenziell wieder den langfristigen Durchschnittstrends annähern. Doch die Zahlen für 2019 sind anders geartet und deutlich glaubwürdiger. Um diese Jahreszeit spiegeln die „Projektionen“ für 2019 überwiegend bereits erhobene Daten wider. Die Zahlen sind daher weitgehend Ausdruck der Faktenlage, z. B. des Handelskriegs zwischen den USA und China, des Einbruch in der deutschen Autoindustrie und der Ängste über einen harten Brexit.

Die Projektionen für 2019 bestätigen das relativ freundliche Bild der Weltwirtschaft, das ich nach der letzten Iteration der IWF-Daten beschrieben hatte. Trotz ihres Handelskriegs haben weder die USA noch China einen echten Abschwung erlebt: Das Wachstum in beiden Ländern wurde seit dem vergangenen Oktober nur um statistisch nicht signifikante 0,1% nach unten korrigiert. Auch die Wirtschaftsentwicklung Japans ist unverändert, und im übrigen Asien hat sich die Konjunktur nur marginal abgeschwächt. Hauptsächliche Problemzone innerhalb der Weltwirtschaft war in diesem Jahr Europa: Die Wachstumsprognose für die Eurozone wurde um mehr als ein Drittel von 1,9 % auf 1,2% nach unten korrigiert, und die für Deutschland von 1,9% auf fast schon rezessionäre 0,5%.

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