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Mit weit geschlossener Brieftasche

NEWPORT BEACH, USA – Einige Ökonomen wie etwa Larry Summers nennen es „säkulare Stagnation“. Andere sprechen von „Japanisierung“. Alle aber sind sich einig, dass sich nach zu vielen Jahren unzureichenden Wachstums in den hochentwickelten Volkswirtschaften nun erhebliche längerfristige Risiken abzeichnen, und zwar nicht nur für das Wohl der Bürger dieser Länder, sondern auch für die Gesundheit und Stabilität der Weltwirtschaft.

Diejenigen, die nach Möglichkeiten suchen, die Risiken dieses unzureichenden Wachstums zu verringern, stimmen überein, dass von allen potenziellen Lösungen erhöhte Investitionen seitens der Unternehmen am meisten bewirken können. Und viele mittelgroße und große Unternehmen hätten – nun, da sie sich in beeindruckender Weise von der enormen Erschütterung durch die globale Finanzkrise des Jahres 2008 und die sich anschließende Rezession erholt haben – die Mittel, um in neue Anlagen und Maschinen zu investieren und zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Tatsächlich sind angesichts von Gewinnen in oder nahezu in Rekordhöhe die Barbestände des Unternehmenssektors in den Vereinigten Staaten von Quartal zu Quartal gestiegen und haben inzwischen absolute Höchststände erreicht. Zugleich bringen sie den Unternehmen aufgrund der derzeit in Nähe des Nullwertes liegenden Zinssätze kaum etwas ein. Zudem brauchen die Unternehmen, weil sie ihre Betriebseffizienz erheblich erhöht und die Fälligkeiten ihrer Verbindlichkeiten deutlich verlängert haben, sehr viel weniger Vorsorgeersparnisse als früher.

Wie man es auch betrachtet: Der Unternehmenssektor in den hochentwickelten Volkswirtschaften im Allgemeinen und in den USA im Besonderen ist stark wie seit Jahren nicht mehr. Die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors haben eine Kombination aus Widerstandsfähigkeit und Agilität erreicht, die im deutlichen Widerspruch zur Lage eines Teils der Haushalte und etlicher Regierungen weltweit steht, die das Erbe der Überschuldung erst noch angemessen in Angriff nehmen müssen.