Mitt Romneys Realitätscheck

NEW YORK – In den vereinigten Staaten tobt derzeit eine Art Krieg zwischen Fakten und Fantasie. Präsident Barack Obamas Wiederwahl stellt einen – begrenzten aber unmissverständlichen – Sieg für die Fakten dar.

Die Ereignisse in den Tagen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl illustrierten den Kampf anschaulich. Unter hochrangigen Gehilfen des republikanischen Herausforderers Mitt Romney wuchs der Glaube, er stünde kurz vor dem Sieg. Ihre Überzeugung entbehrte jeder Grundlage in den Umfrageergebnissen. Trotzdem wurde das Gefühl so stark, dass manche Gehilfen anfingen, Romney mit „Herr Präsident“ anzusprechen.

Doch der bloße Wunsch, dass es so sei, hat nicht ausgereicht, um es wahr zu machen. Näher sollte Romney dem Amt des Präsidenten nicht kommen, und anscheinend wollte er das genießen, solange er konnte, wenn auch verfrüht. Als die Fernsehsender dann am Wahlabend in ihren Hochrechnungen Romneys Niederlage in Ohio und somit Barack Obamas Wiederwahl vorhersagten, weigerte sich Romneys Wahllager in einem weiteren Akt der Realitätsverweigerung, das Ergebnis zu akzeptieren. Eine äußerst peinliche Stunde verging, bevor er die Fakten akzeptierte und eine wohlwollende Rede hielt, in der er seine Niederlage einräumte.

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