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Romney und die Schnorrer

WASHINGTON, D.C.: Der republikanischen Partei stehen einige attraktive Themen für die amerikanischen Präsidentschafts- und Kongresswahlen zur Verfügung. Die Amerikaner sind ihrer Regierung seit eh und je skeptisch gegenüber eingestellt; es gibt eine Tradition des Wiederstands gegen vermeintliche Kompetenzüberschreitungen der Regierung, die bis in die Gründungsjahre des Landes zurückreicht. Ein Erbe dieser Tradition sind die damit in Beziehung stehende Ablehnung staatlicher Subventionen durch die meisten Amerikaner und eine kulturelle Aversion gegenüber der „Abhängigkeit“ von staatlicher Unterstützung.

Doch der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und andere führende Mitglieder seiner Partei haben diese Karten im laufenden Wahlkampf völlig falsch ausgespielt. Romney scheint als Thema für sich entdeckt zu haben, dass viele Amerikaner – die sogenannten 47% – keine Bundeseinkommensteuer zahlen. Er ist der Ansicht, dass sie sich selbst als „Opfer“ sehen und von der Regierung abhängig sind.

Dabei jedoch übersieht er zwei offensichtliche Punkte. Erstens bezahlt ein Großteil der 47% eine Menge Steuern auf Einkünfte, Eigentum und erworbene Waren. Und diese Menschen arbeiten hart, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen; in den USA ist das mittlere Haushaltseinkommen auf einen Stand gesunken, wie es ihn zuletzt Mitte der 1990er Jahre gab.

Zweitens fließen die wirklich großen Subventionen im modernen Amerika an einen Teil seiner Finanzelite – jene wenigen Privilegierten, die die größten Wall-Street-Unternehmen leiten.