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Wie sich Europas perfekter Sturm steuern lässt

NEW YORK – Die Chinesen weisen oft darauf hin, dass in ihrer Sprache das Zeichen für Krise und Chance ein und dasselbe ist. Doch obwohl es stimmt, dass Krisen und Chancen häufig Hand in Hand gehen, ist es schwierig, in Europas derzeitigen Umständen viel von einer Chance zu sehen.

Dass die derzeitige Lage, vor der Europa steht, so schwierig ist, liegt auch daran, dass sie so unerwartet kam. Hier stehen wir – 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges und zwei Jahrzehnte nach den Balkankriegen –, und plötzlich erscheint Europas politische, wirtschaftliche und strategische Zukunft viel weniger klar, als irgendjemand das noch vor einem Jahr vorhergesagt hätte.

Ein weiterer Grund zur Besorgnis ist, dass Europa nicht nur eine Krise zu bewältigen hat, sondern mehrere. Die erste ist wirtschaftlicher Art: Nicht nur gibt es derzeit kaum Wachstum, sondern es sieht auch so aus, als ob das so bleiben dürfte. Bedingt ist dies in erster Linie durch eine Politik, die viele Unternehmen von Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen abhält. Der Aufstieg linker wie rechter populistischer Parteien überall auf dem Kontinent ist ein Zeichen für die Frustrationen und Ängste der Bevölkerung.

Was die Lage für Europas Wirtschaft verschlimmert ist die Jahrzehnte alte Entscheidung zur Einführung einer gemeinsamen Währung ohne gemeinsame Fiskalpolitik. In vielen Ländern führte dies zur Aufgabe jeglicher Haushaltsdisziplin; Griechenland war das aktuellste Opfer, aber dürfte kaum das letzte bleiben.