0

Bescheidenheit im Nahen Osten

„Reife ist alles“, schließt Edgar in König Lear . Die Deutung dessen, was er damit sagen wollte, überlasse ich den Shakespeare-Experten. Aber für die Arbeit von Diplomaten und Historikern ist es essenziell, den Begriff der Reife zu verstehen: Er beschreibt, wie weit die Bereitschaft zur Lösung in einer Verhandlung oder einem Konflikt fortgeschritten ist.

Dies mag theoretisch klingen, ist es aber überhaupt nicht. Die Vereinigten Staaten und die drei anderen Mitglieder des Nahost-Quartetts – die Europäische Union, Russland und die Vereinten Nationen – planen derzeit, viele Parteien des israelisch-arabischen Konflikts bei einem Treffen in der Nähe von Washington im November zu versammeln.

Das Problem ist, dass der Konflikt nicht im Entferntesten reif für eine Lösung ist. Wird diese Tatsache ignoriert, kommt es zum Scheitern, wenn nicht zu einer Katastrophe.

Reife umfasst mehrere Elemente: Es muss einen Plan geben, den die betroffenen Parteien annehmen können, einen diplomatischen Prozess, um sie bis zu diesem Punkt zu bringen, und Protagonisten, die in der Lage und willens sind, ein Abkommen abzuschließen.