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Der Zusammenbruch des Nahen Ostens und die globalen Risiken

NEW YORK – Unter den heutigen geopolitischen Risiken ist keines größer als der lange Bogen der Instabilität, der sich vom Maghreb bis an die afghanisch-pakistanische Grenze erstreckt. Während der arabische Frühling immer mehr zu einer fernen Erinnerung wird, leidet die Region zunehmend unter Destabilisierung. Tatsächlich ist das Schicksal der drei Staaten des ursprünglichen Arabischen Frühlings ernüchternd: Libyen ist inzwischen ein gescheiterter Staat, Ägypten hat erneut ein autoritäres Regime und Tunesien wurde durch Terroranschläge wirtschaftlich und politisch destabilisiert.

Die Gewalt und Instabilität Nordafrikas greift nun auf das Afrika südlich der Sahara über. In der Sahelzone – eine der weltweit ärmsten und ökologisch am meisten geschädigten Regionen – breitet sich der Dschihadismus aus, ebenso wie weiter östlich am Horn von Afrika. Und so wie in Libyen herrscht auch im Irak, in Syrien, im Jemen und in Somalia Bürgerkrieg, und auch sie drohen, zu gescheiterten Staaten zu werden.

Durch die Unruhen in der Region (zu deren Ausbruch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bei ihren Bemühungen zum Sturz der Regimes im Irak, in Libyen, in Syrien, in Ägypten und anderswo beigetragen haben) werden auch bislang sichere Staaten unterminiert. Der Einfluss der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak wirkt destabilisierend auf Jordanien, den Libanon und jetzt sogar auf die Türkei, deren Regierung unter ihrem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zunehmend autoritär wird. Und im Zuge fehlender Lösungen im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bleibt die Gefahr gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas in Gaza sowie der Hisbollah im Libanon.

In diesem wechselhaften regionalen Umfeld findet im Irak, in Syrien, im Jemen, in Bahrain und im Libanon ein großer Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran statt. Zwar könnte durch das jüngste Nuklearabkommen mit dem Iran das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen gemildert worden sein, aber die dortigen Politiker erhalten durch die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen wieder mehr finanzielle Ressourcen zur Unterstützung ihrer schiitischen Stellvertreter. Weiter im Osten drohen auch Afghanistan (wo die erneut zum Leben erwachten Taliban wieder an die Macht kommen könnten) und Pakistan (wo die Islamisten eine andauernde Bedrohung der Sicherheit darstellen) als Staaten zu scheitern.