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Übertreibung bei den Schwellenländern

MAILAND – Bis vor kurzem wurden die so genannten Übergänge von Ländern „hin zu mittleren Einkommen“ größtenteils ignoriert – teilweise deshalb, weil das, was ein Übergang sein sollte, oft zur Falle wurde. Einige Volkswirtschaften in Asien – insbesondere Japan, Südkorea und Taiwan – segelten direkt weiter zu hohen Einkommen mit relativ hohen Wachstumsraten. Aber die große Mehrheit der Volkswirtschaften verlangsamten sich, nachdem sie im Bereich mittleren Einkommens angekommen waren, oder stellten das Pro-Kopf-Wachstum völlig ein.

Heute gibt es für Investoren, Politiker und Unternehmen mehrere Gründe, diesen Übergängen viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Erstens hat China, mit einem BIP in der Höhe desjenigen aller anderen BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien und Südafrika) plus Indonesien und Mexiko zusammen, die Messlatte deutlich höher gelegt. Anhaltendes Wachstum in China oder dessen Abwesenheit hat einen deutlichen Effekt auf andere Schwellenländer – ebenso wie auf die Industriestaaten.

Zweitens sind die Industrieländer aus dem Gleichgewicht geraten. Sie wachsen deutlich weniger als potenziell möglich, und ihre Aussichten auf schnelleres Wachstum in den nächsten fünf Jahren sind unterschiedlich, aber generell begrenzt. Im Gegensatz dazu stellen die Schwellenländer angesichts ihres höheren Wachstumspotenzials große zu erschließende Märkte dar.

Drittens hat sich eine Mehrheit dieser großen Schwellenvolkswirtschaften (Indonesien, Brasilien, Russland, die Türkei, Argentinien, aber nicht China) zur Finanzierung wachstumsfördernder Investitionen anstatt auf Inlandsersparnisse fahrlässig auf hohe Zuflüsse ungewöhnlich billigen ausländischen Kapitals verlassen. Als Ergebnis haben sich ihre Leistungsbilanzen in der Zeit nach der Krise verschlechtert.