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Irlands beispielhafte Krise

DUBLIN – Irland hat sich nun aus den Klauen des von der Troika (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) auferlegten Regelwerks für verschuldete Euroländer befreit, das Finanzhilfen im Gegenzug für Sparpolitik anbot, und führt die wirtschaftliche Erholung der Währungsunion an. Europäische Entscheidungsträger, unter anderem der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, haben darauf hingewiesen, dass Irlands zähes Festhalten am Sparkurs ein Modell für andere sein sollte.

Wirklich? Es ist noch nicht lange her, dass Irlands Wirtschaftswunder ebenso als Modell angesehen wurde – das der Economist 1997 als „Europas leuchtendes Beispiel“ bejubelt hatte – und so unterschiedliche und ferne Bewunderer wie China und Israel anzog. Dann wurde Irland zum Modell dafür, wie man nicht mit einer Immobilienblase umgehen sollte – und anschließend einer Bankenkrise. Obwohl der Ausstieg aus dem Troika-Programm zweifellos einen Erfolg darstellt, vor allem wenn man die deprimierenden Aussichten des Landes Ende 2010 dagegenhält, sollte niemand das anstreben, was Irland durchgemacht hat.

Die meisten irischen Bürger würden auch die Vorstellung zurückweisen, ihr Land sei ein Musterpatient der Sparpolitik. Die Tatsache, dass das Land wieder in Mode gekommen ist, zeigt die Verwirrung im ökonomischen Denken der Entscheidungsträger der Eurozone und die törichte Nachahmungswut von Denkfabriken und internationalen Institutionen. Ein angemessenes sozioökonomisches Modell sollte auf der Grundlage einer fest verwurzelten „Art und Weise, etwas zu tun“ beruhen – ja so fest verwurzelt, dass das Modell, zum Beispiel das viel gepriesene nordische Modell, unmöglich anderswo zu wiederholen ist.

Irlands „Art und Weise, etwas zu tun“ hat sich trotz der Krise kaum verändert. Politische und institutionelle Reformen haben nicht mit den Veränderungen im Lebensstil der Menschen Schritt gehalten; die Rechenschaftspflicht im öffentlichen Bereich ist weiterhin frustrierend gering.