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Mexikos neuer Präsident

CAMBRIDGE: Mit der am 1. Dezember beginnenden Präsidentschaft von Vincente Fox feiert Mexiko weit mehr, als nur einen einfachen Wandel hinsichtlich der Führerschaft des Landes. Zum ersten Mal in seiner Geschichte befindet sich Mexiko kurz davor, vier Ziele gleichzeitig zu erreichen: eine wahre Demokratie, ökonomischen Aufschwung, sozialen Zusammenhalt und gute Beziehungen zu den USA. Die Stimmung in Mexiko ist offensichtlich: Man hat hohe Erwartungen, dass das Land seinen Dämonen der Vergangenheit – Instabilität, Korruption und massive soziale Spaltung – entkommt, um so zu einer dynamischen Gesellschaft zu werden, die auf eine starke, unverwechselbare Kultur, auf soziale Aufnahme und auf eine wachsende Rolle in der Welt gebaut ist.

Nur wenige Mexikaner konnten wirklich davon überzeugt sein, dass die zuvor herrschende Partei PRI nach 71 Jahren kontinuierlicher Herrschaft ihre Macht abgeben würde. Doch als Fox den Kandidaten der PRI in diesem Sommer besiegte, wurden die Mexikaner in einen friedlichen Machtwechsel geführt, der seine Grundlage in der ehrlichen Auszählung der Wahlergebnisse hatte. Eine hohe Anerkennung dafür gebührt dem scheidenden Präsidenten Ernesto Zedillo, dem letzten in einer Reihe eines Dutzends PRI-Präsidenten. Zedillo hat sich während seiner Amtszeit für demokratische Reformen eingesetzt und somit die Wahlen und den sanften Fortschritt des politischen Wandels möglich gemacht.

Zedillo hinterlässt hauptsächlich dank des Abkommens über die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA – der Übereinkunft, die die Ökonomien Kanadas, Mexikos und der USA miteinander verbindet – eine Wirtschaft in bemerkenswert kräftiger Verfassung. Das NAFTA-Abkommen trat am 1. Januar 1994 in Kraft. Ironischerweise verfiel Mexiko etwas später im selben Jahr in eine vorübergehende finanzielle Krise, was allerdings nicht eine Folge des Handelsabkommens, sondern vielmehr eine Folge der plötzlichen Umkehr von Kapitalflüssen in Richtung Mexiko war – dieselbe Art von Krise, die drei Jahre später Ostasien treffen sollte. Als die Ökonomie des Landes die Exporte in die USA dramatisch erhöht und damit eine durch den Export bewirkte Erholung der Wirtschaft erreicht hatte, wurde NAFTA für Mexiko zum Hauptmechanismus, um die Krise zu überwinden.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Mexiko können als weltweit wichtigstes Beispiel dafür gelten, wie reiche und arme Ökonomien zugunsten eines gegenseitigen Vorteils miteinander in Einklang gebracht werden können. Unter NAFTA sind US-Firmen über die mexikanische 2000-Meilen-Grenze vorgedrungen, um Betriebe in Mexiko aufzubauen und damit von den niedrigeren Lohnkosten und folglich auch von den niedrigeren Produktionskosten profitieren zu können. In den vergangenen Jahren war Mexiko in der Lage, mehr als 10 Milliarden Dollar pro Jahr an ausländischen Direktinvestitionen ins Land hineinzuziehen, wobei das meiste von multinationalen US-Firmen stammt.