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Mexikos große Energiereformen

MEXIKO-STADT – Mexiko schickt sich an, im nächsten Jahrzehnt der wirtschaftliche Star Lateinamerikas zu werden. Die jüngsten Reformen der Regierung, die sich auf den Energiesektor beziehen, werden durch Kostenreduzierung in der Produktion direkt zur wirtschaftlichen Leistung beitragen. Im Zusammenhang mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) verspricht die dadurch erhöhte Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion eine deutliche Steigerung des mexikanischen Wachstums.

Vor der Einführung der nötigen Verfassungsänderungen und der damit verbundenen Ermächtigungsgesetze durch die Regierung war der mexikanische Energiesektor komplett in Staatseigentum. Der wichtigste Teil des Sektors, Pemex, war im Besitz sämtlicher Öl- und Gasreserven des Landes, und allein verantwortlich für die Exploration, die Produktion und den Vertrieb. Auch die Stromerzeugung und -verteilung war völlig in den Händen der Regierung.

Aus Mangel an technischem Wissen konnte das Unternehmen die riesigen Öl- und Gasreserven Mexikos nicht vollständig entwickeln und ausbeuten. Große Teile der Ölreserven erfordern Tiefseebohrtechnik, über die Pemex nicht verfügt. Auch alte Brunnen, die nichts mehr fördern, könnten mit moderner Technologie wieder produktiv gemacht werden. Und es sind Gas- und Ölfelder vorhanden, die nur mit den neuen Methoden des Fracking oder Bohrspülens angezapft werden können.

Vor der Reform wurden die Energiereserven lange Zeit als nationales Erbe betrachtet, das nur durch Pemex entwickelt werden kann. Da jedes direkte oder indirekte Fremdeigentum durch die Verfassung verboten war, gab es keine Möglichkeit, ausländischen Firmen Anreize zum Teilen ihrer Technologie zu geben. Aber diese ausländische Technik bot solche enormen Gewinnmöglichkeiten, dass Präsident Enrique Peña Nieto im mexikanischen Kongress eine Mehrheit dafür finden konnte, die Verfassung zu ändern und Gesetze zu verabschieden, die ausländische Energieunternehmen ins Land bringen würden.