Angela Merkel Emmanuele Contini/NurPhoto via ZUMA Press

Der Europäer, den Europa braucht

LONDON – Im vergangenen Sommer nahm ich zusammen mit europäischen und afrikanischen Staats- und Regierungschefs am Valletta-Migrationsgipfel in Malta teil. Ich war als Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für internationale Migration eingeladen worden. Wie bei derartigen Anlässen üblich, wurde auch ein Gruppenfoto gemacht, bei dem ich zufällig neben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel stand. Ich habe die Gelegenheit ergriffen und ihr zugeflüstert, dass sie ihre Haltung in der Flüchtlingskrise meiner Meinung nach zu einer Heldin mache. Sie antwortete sinngemäß, sie tue was „notwendig sei für Europa”.

Seitdem habe ich über ihre Taten nachgedacht und darüber, was sie nicht nur damals sondern in den vielen Monaten der europäischen Flüchtlingskrise gesagt hat. Im Grunde nennt Merkel die Situation eine existenzielle Krise für Europa, viel gefährlicher als das Wirrwarr der griechischen Schuldenkrise. Sie hat auch wiederholt darauf hingewiesen, dass wir eine moralische (und rechtliche) Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen haben.

Die Welt ist größtenteils erstaunt, dass ein deutscher Kanzler solche Worte findet. Altierro Spinelle, der verstorbene italienische Europaföderalist, schrieb, ökonomische Motive seien vielleicht der Anlass, aber nicht der Grund für den deutschen Rassismus gewesen, der schließlich zum 2. Weltkrieg führte. Er argumentierte, „geschichtlich sei die absurde Anarchie der europäischen internationalen Organisation der bestmögliche Nährboden für die volle Entfaltung von Rassismus gewesen”. Diese Schwammigkeit zeigt sich ganz klar wieder in der fehlenden Unterstützung eines Quotensystems, das die EU vorgeschlagen hat und das die Flüchtlinge nach fairen Kriterien auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilen würde.

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