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MEMO AN EZB: NICHT DEM KURS DER FED FOLGEN

Das gegenwärtige Dilemma der Federal Reserve, angesichts einer hurrikangeschädigten Volkswirtschaft die Zinsen weiter erhöhen zu müssen, ist eine wichtige Botschaft an die Europäische Zentralbank.

Nach einer langen Phase der Geldstabilität bei ungewöhnlich niedrigen Zinssätzen sind nun die gefährlichen Folgen eines zu langen Wartens mit der Anhebung der Zinsen auf ein normaleres und angemesseneres Niveau erkennbar. Nachdem die Federal Reserve – teilweise aus unangebrachter Furcht vor einer Deflation – den Zinsnormalisierungsprozess zu spät eingeleitet hat, muss sie nun die Zinsen anheben, obwohl es Anzeichen gibt – wie ein nachlassendes Verbrauchervertrauen –, dass sich die Konjunkturentwicklung in Amerika verlangsamt. Die EZB darf nicht denselben Fehler machen.

Warnsignale einer bevorstehenden Inflation gibt es in der Volkswirtschaft der Eurozone zuhauf. Das Geldmengenwachstum liegt bereits seit einiger Zeit deutlich über den Zielwerten, ein Anzeichen dafür, dass ein Liquiditätsüberschuss vorliegt. Die Gesamtteuerungsrate für die Eurozone lag im Oktober bei 2,5% und damit über dem Zielwert der EZB von 2%. Gleiches gilt für die jüngste Prognose zur Inflationsentwicklung in 2006. (Die aktualisierten Prognosen werden am 1. Dezember veröffentlicht.) Die steil ansteigenden Energiepreise drohen, sich auf die allgemeine Inflationsentwicklung niederzuschlagen.

Warum also warten? Ein weiteres Hinausschieben der Zinsnormalisierung durch die EZB könnte durchaus zu einem üblen Anstieg der Inflation führen. Dies währe eine Katastrophe, insbesondere für die Konjunkturerholung in Europa. Die EZB hätte unter derartigen Umständen keine andere Wahl, als hart auf die monetäre Bremse zu treten.