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Die unmögliche Nachfrage der Weltwirtschaft

WARSCHAU – Die glorreichen Tage der Weltwirtschaft sind sicher vorüber. Und dennoch widmen sich politische Entscheidungsträger dem Management der kurzfristigen Nachfrage, in der Hoffnung zu den hervorragenden Wachstumsraten aus der Zeit vor der Krise von 2008/2009 zurückzukehren. Das ist ein Fehler. Wenn man die neo-klassischen Wachstumsfaktoren analysiert – Arbeitskraft, Kapital und Gesamtfaktorproduktivität –, erscheint es zweifelhaft, ob die Stimulierung der Nachfrage als effektive kurzfristige Maßnahme geeignet ist oder gar langfristig nachhaltig sein kann.

Wenn wir die Wachstumsfaktoren einzeln betrachten, sehen wir zunächst, dass in den nächsten 15 Jahren die demographischen Veränderungen das Wachstum des Arbeitsangebots überall außer in Afrika, Nahost und Südzentralasien wenn nicht umkehren, so doch wenigstens erheblich verlangsamen werden. In Europa, Japan, den USA und schließlich auch China und Ostasien werden Arbeitskräfte fehlen.

Obwohl eine großangelegte Migration aus Regionen mit Arbeitskraftüberschuss in Defizitregionen den empfangenden Volkswirtschaften helfen würde, gäbe es mit hoher Wahrscheinlichkeit gesellschaftliche Widerstände, besonders in Europa und Ostasien. Eine Erhöhung der Erwerbsquote, besonders unter Frauen und älteren Arbeitnehmern, könnte zwar unter Druck geratene Arbeitsmärkte etwas entspannen, aber das allein wäre nicht ausreichend, um der Abnahme der Erwerbsbevölkerung entgegenzuwirken.

Die Weltwirtschaft kann sich auch nicht auf höhere Investitionsniveaus verlassen. Die globale Investitionsquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen 30 Jahren besonders in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften konstant gesunken. Es gibt auch keinen offensichtlichen Grund, warum sich diese Quote mittel- oder langfristig wieder erholen sollte. Bis vor kurzem wurde die sinkende Investitionstätigkeit in der entwickelten Welt durch schnelle Steigerungen des Investitionsvolumens in den Schwellenländern, besonders in Asien, ausgeglichen. Aber die hohen Investitionsquoten dort sind auch nicht nachhaltig. Wie in Japan wird auch die Investitionsrate in China mit steigendem Prokopfeinkommen abnehmen (sie beträgt seit 2009 ca. 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes).