Manager der Erde

Irgendwann in den nächsten zwanzig Jahren wird sich die Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur in tief greifender und unumkehrbarer Weise ändern. Dies wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber die aktuellen Entwicklungen in den Naturwissenschaften machen Veränderungen unvermeidlich. Unabhängig davon, ob es uns gefällt oder ob wir hierfür gerüstet sind oder nicht: Diese naturwissenschaftlichen Entwicklungen werden dazu führen, dass wir Manager der Erde zu werden, statt lediglich ein Teil von ihr zu sein.

Es bietet sich an, diese sich anbahnende Revolution aus historischer Perspektive zu betrachten: Während des größten Teils der vergangenen dreieinhalb Millionen Jahre, in denen Wesen, die wir als „Menschen" bezeichnen können, die Erde bevölkerten, waren diese unzweifelhaft Teil der Natur. Die ehernen Gesetze der Evolution bestimmten ihr Überleben, und wer im Wettbewerb nicht bestehen konnte, starb jung und war schnell vergessen. Unsere einzigen Verteidigungsmechanismen gegen eine feindliche Welt waren primitive Steinwerkzeuge und das Feuer - ein bestenfalls minimaler Schutz.

Vor etwa 10.000 Jahren dann geschah etwas Außergewöhnliches. Irgendwo im Taurusgebirge in der heutigen Türkei begann eine Gruppe von Menschen - vermutlich Frauen - eine Reihe neuer Technologien zu entwickeln, die die Art und Weise, in der die Menschen mit ihrer Umwelt interagierten, verändern sollte. Wir bezeichnen diese Technologien heute als „Landwirtschaft". Zum ersten Mal überhaupt versetzten sie den Menschen in die Lage, sich außerhalb der Gesetze der natürlichen Auslese zu bewegen. Unsere Vorfahren waren nun nicht länger auf die Nahrung beschränkt, die die Natur ihnen bot - sie konnten ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen, die das kärgliche Angebot der Natur bei weitem übertrafen.

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