Paul Lachine

Mensch, Maschine und was dazwischen ist

TÜBINGEN, DEUTSCHLAND ­– Wir sind heutzutage von so vielen technischen Spielereien umgeben, dass es manchmal schwer fällt zu sagen, wo die Technik aufhört und der Mensch anfängt. Von Computern und Scannern bis hin zu Mobilgeräten verbringt eine wachsende Anzahl von Menschen einen Großteil ihres bewussten Lebens damit, durch elektronische Geräte mit der Welt zu interagieren, wobei die Sinne – Sehen, Hören und Fühlen – die einzige Barriere zwischen Gehirn und Maschine darstellen und eine Schnittstelle zwischen Menschen und Geräten bilden. Doch wenn man diese Sinne aus der Gleichung herausstreicht, können elektronische Geräte zu unseren Augen, Ohren und sogar Armen und Beinen werden, die die Welt um uns herum aufnehmen und durch Software und Hardware mit ihr interagieren.

Das ist keine bloße Prophezeiung. Gehirn-Maschine-Schnittstellen sind klinisch bereits gut etabliert – z. B. bei der Wiederherstellung des Gehörs durch Cochlea-Implantate (in der Gehörschnecke). Und Patienten mit Parkinson im Endstadium können mit Tiefenhirnstimulation (Deep brain stimulation, DBS) behandelt werden. Aktuelle Experimente zu Neuroprothesen weisen auf das enorme Zukunftspotenzial ähnlicher Erfindungen hin, handele es sich um Netzhaut- oder Hirnstamm-Implantate für Blinde oder Gehirn-Aufzeichnungsgeräte zur Steuerung von Prothesen.

Nichtinvasive Gehirn-Maschine-Schnittstellen, die auf aufgezeichneten Elektroenzephalogrammen basieren, haben die Kommunikationsfähigkeit gelähmter Patienten wiederhergestellt. Tierversuche und einige Studien an Menschen deuten darauf hin, dass die volle Kontrolle über künstliche Gliedmaßen in Echtzeit Gelähmten zudem eine Möglichkeit bieten könnte, zu greifen oder sogar auf hirngesteuerten, künstlichen Beinen zu stehen und zu gehen, wenn auch wahrscheinlich durch invasive Methoden, bei denen Elektroden direkt in das Gehirn implantiert werden.

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