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Die Wiedergeburt der malaysischen Opposition

Bei den jüngsten Wahlen in Malaysia hat die Opposition ihr bestes Ergebnis seit der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahr 1957 erreicht und damit die parlamentarische Zwei-Drittel-Mehrheit der Regierungskoalition gebrochen. Wohin der weitere Weg der neu gestärkten Demokratie führt, hängt von einem Mann ab, nämlich vom ehemaligen Vizepremierminister Anwar Ibrahim, der vom früheren Premierminister Mahathir Mohammad gefeuert und später inhaftiert wurde. 

Anwar kann die Opposition zwar zu einer glaubwürdigen Kontrollinstanz der regierenden Koalition der Nationalen Front formen, weiß aber genau, dass er auf diese Art niemals Premierminister werden kann. Denn im Grunde erwartet niemand, dass die Opposition in absehbarer Zukunft genug Parlamentssitze erringt, um eine Regierung bilden zu können. Anwar Ibrahim kann sich lediglich von seiner ehemaligen Partei, der Vereinigten Nationalen Organisation der Malaien (UMNO), einem führenden Mitglied der Nationalen Front, wieder umwerben lassen.

Man geht allgemein davon aus, dass die UMNO mit Anwar bereits Gespräche geführt hat. Die Partei braucht Anwar jetzt mehr als je zuvor, um ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Und Anwar braucht die UMNO, um Premierminister zu werden.  

Im Verband der UMNO und als Regierungsmitglied hätte Anwar wohl bessere Chancen, jene Reformen umzusetzen, für die er so leidenschaftlich eingetreten ist. Aber in erster Linie muss Anwar einmal in das Parlament gewählt werden.