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IWF und Weltbank im Dienste der Armen

Seit langem verkündet die Weltbank ihren Traum von einer „Welt ohne Armut“. Desgleichen könnte sich der Internationale Währungsfonds wohl eine „Welt ohne Finanzkrisen“ wünschen. Das sind vordringliche und ehrgeizige Ziele, aber für das 21. Jahrhundert sind sie zu eng gesetzt. Um nicht an Bedeutung zu verlieren, müssen sich die Bretton-Woods-Institutionen den Bedürfnissen der rasch wachsenden Schwellenländern anpassen. Dieser Prozess kann bei der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank in Washington eingeleitet werden.

Wie nun vielerorts erkannt wird, sollte der IWF sein Engagement über das reine Management von Finanzkrisen hinaus erweitern, und sich dem Problem des unkooperativen Verhaltens in der Wirtschaft widmen – vor allem im Finanzbereich. Der internationalen Gemeinschaft käme es zugute, wenn der IWF ein Zentrum gemeinsamer Überwachung und permanenten Dialogs zwischen den reichen und armen Ländern sowie den Schwellenländern würde. Um dieses Szenario Wirklichkeit werden zu lassen, müssen arme Länder und Schwellenländer mehr Mitspracherecht erhalten.

Glücklicherweise steht nun eine derartige Reform endlich auf der Tagesordnung. Bei der letzten Herbsttagung des IWF und der Weltbank einigte man sich auf eine Anhebung der Stimmanteile für manche der am meisten unterrepräsentierten Schwellenländer – China, Mexiko, Südkorea und Türkei. Eine zweite Anpassungsrunde muss weitere rasch wachsende Ökonomien berücksichtigen, ohne damit allerdings den Armen die Stimme zu nehmen.

Die Weltbank muss sich dabei nicht „neu positionieren“, indem sie sich in den Schwellenländern verankert, wie dies die Entwicklungshilfeindustrie gemeinhin tut. Die internationale Gemeinschaft muss vielmehr kurzsichtigen Forderungen widerstehen, wonach man sich aus Ländern mittleren Einkommens zurückziehen solle, weil diese es nun ohnehin auch „alleine schaffen“ könnten.