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Spielraum für China

CAMBRIDGE – Chinas unterbewertete Währung und sein riesiger Außenhandelsüberschuss sind ein großes Risiko für die Weltwirtschaft. Sie beschwören eine massive protektionistische Gegenreaktion in den Vereinigten Staaten und Europa herauf und sie untergraben die Erholung in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Wenn nichts dagegen unternommen wird, wird sich der Ton zwischen China und anderen Ländern zunehmend verschärfen. Doch die Lösung ist nicht annähernd so einfach wie einige Experten zu erkennen meinen.

Hört man auf das, was aus Washington oder Brüssel herausdringt, oder liest man die Finanzpresse, würde man meinen, man wird Zeuge einer einfachen Moralität. Diesen Funktionären und Kommentatoren zufolge liegt eine Aufwertung des Renminbi im eigenen Interesse Chinas. Schließlich kann sich die chinesische Wirtschaft nicht länger auf die Außennachfrage und Exporte verlassen, um sein bemerkenswertes Wachstum zu erhalten und chinesische Verbraucher, die durchschnittlich betrachtet immer noch arm sind, haben eine Pause verdient und sollten zum Ausgeben und nicht zum Sparen ermutigt werden.

In dieser Version der Geschichte spielen Chinas politische Entscheidungsträger die Rolle böser und fehlgeleiteter Währungsmanipulatoren, die sich unerklärlicherweise entschieden haben, nicht nur dem Rest der Welt, sondern auch ihrer eigenen Gesellschaft Schaden zuzufügen. Wenn der Renminbi an Wert gewinnt, würde dies dem chinesischen Wachstum wahrscheinlich einen schweren Schlag versetzen, das im Wesentlichen auf ein einfaches, bewährtes Rezept baut: die Förderung der Industrialisierung. Eine Unterbewertung der Währung ist gegenwärtig das zentrale Instrument der chinesischen Regierung zur Subventionierung der verarbeitenden Industrie und anderer Sektoren im Bereich der handelbaren Güter und somit der Wachstumsförderung durch Strukturwandel.

Bevor China im Jahr 2001 der Welthandelsorganisation beigetreten ist, verfügte das Land über eine breitere Palette politischer Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen. Es konnte seine Industrien durch hohe Zölle unterstützen, durch explizite Subventionen, durch Auflagen für ausländische Firmen, die besagen, dass ein gewisser Anteil der Wertschöpfung von im Inland produzierten bzw. abgesetzten Produkten aus einheimischen Quellen stammen muss, durch Investitionsanreize und viele andere Formen der Industriepolitik. Doch die Mitgliedschaft in der WHO hat es erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, auf diese traditionellen Formen der Industrieförderung zurückzugreifen. Chinas Zölle sind Ende der Neunzigerjahre jäh gesunken und viele der anderen Anreize wurden ebenfalls stufenweise beendet. Die Unterbewertung der Währung ist zum Ersatz geworden.