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Saudi-Arabiens Pilgerreise nach Pakistan

LONDON – In den letzten Jahren hat sich Saudi-Arabien seiner langjährigen Schutzmacht USA zunehmend entfremdet. Es betrachtete die amerikanische Unterstützung des Sturzes von Hosni Mubarak in Ägypten – und seine daran anschließende Anerkennung der Regierung der Muslimbruderschaft – als Verrat. Dann folgte US-Präsident Barack Obamas Weigerung, seine „rote Linie“ in Syrien durchzusetzen, nachdem Präsident Bashar al-Assads Regime seine Widersacher mit Giftgas bekämpft hatte. Der letzte Strohhalm schließlich war Amerikas Unterstützung für die jüngste Übergangsvereinbarung über Irans Atomprogramm.

Saudi-Arabiens wachsendes Misstrauen gegenüber den USA ist bedeutsam, weil sich das Königreich, wann immer es sich einer existentiellen Bedrohung ausgesetzt sah – und es betrachtet Irans regionale Ambitionen als eine solche Bedrohung –, zu seinem Schutz auf eine externe Macht gestützt hat. Doch wenn es sich auf die USA nicht mehr verlassen kann, wohin kann sich das Königreich für ausreichend militärische Stärke dann wenden?

Die Antwort scheint „Pakistan“ zu lauten, auch wenn die restliche Welt Pakistan als Staat betrachtet, der am Rande des Scheiterns steht.

Pakistan hat den Interessen des Königreichs bereits früher gedient und in schwierigen Zeiten Militär- und Sicherheitshilfe geleistet. Während der Islamischen Revolution im Iran 1979 etwa erhielt Saudi-Arabien 30.000 pakistanische Soldaten. Und diese Truppen blieben dort bis Mitte der 1980er Jahre.