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Macrons Mission

PRINCETON – Der Erfolg des gemäßigten Kandidaten Emmanuel Macron in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen dürfte Europa neuen Auftrieb verleihen. Im Gegensatz zu den anderen Kandidaten erkennt Macron nicht nur die Notwendigkeit einer radikalen Veränderung der Europäischen Union; er setzt auf europaweite Zusammenarbeit, um diese herbeizuführen. Doch Macron konnte nur eine knappe Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinen. Ein weitaus größerer Anteil der französischen Wähler hat seiner Unterstützung für eine ganz andere politische Vision Ausdruck verliehen.

In der Stichwahl wird Macron auf seine Rivalin Marine Le Pen des rechtsextremen Front National treffen, die eine von Nostalgie und Abschottung geprägte Vision vertritt. Ihr Motto – „on est chez nous“ („Wir sind hier zu Hause“) – unterstreicht ihren Schwerpunkt, Frankreich in einem nationalen Kokon zu isolieren und sich gegen die „wilde Globalisierung“ zu wehren.

Doch Le Pen war nicht die einzige Kandidatin, die diese Vision propagiert. Auch der viertplatzierte Linksaußen Jean-Luc Mélenchon hat seine Kandidatur auf grob vereinfachendem wirtschaftspolitischem Populismus aufgebaut. So hat er etwa, wie Le Pen, eine drastische Herabsenkung des Rentenalters versprochen ohne zu erklären, wie diese finanziert werden soll.

Und beide haben an Germanophobie appelliert und dabei die europäische Schuldenkrise und Deutschlands beharrliches Festhalten an der Sparpolitik in den Mittelpunkt gerückt. Le Pen wirft Macron vor, Vize-Kanzler Europas unter Angela Merkel werden zu wollen, während sie sich selbst stolz zur „Anti-Merkel“ erklärt. Mélenchon behauptet Deutschland sei von radikalem Individualismus, Neoliberalismus und den wirtschaftlichen Interessen einer alternden Bevölkerung getrieben.