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Hoffnungsträger Macron

PARIS – Nachdem Emmanuel Macron die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden konnte, herrscht bei vielen Bürgern Frankreichs ein Gefühl der Erleichterung und des Stolzes. Die Meinungsforscher sollten ausnahmsweise Recht behalten: Die beiden favorisierten Kandidaten – Macron und Marine Le Pen des Front National – haben sich für die Stichwahl am 7. Mai qualifiziert. Vorbei sind die Angst und die Besorgnis der Wochen, Tage und Stunden vor der Wahl, dass Frankreich in der zweiten Runde vor einer Entscheidung zwischen der rechtsextremen Le Pen und dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon stehen könnte.

Viele Beobachter hielten Frankreich für wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch anfällig für eine solche Entscheidung – sogar in noch größerem Maße als das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten oder Deutschland. Mit der Entscheidung des Vereinigten Königreichs für den Austritt aus der EU und Donald Trumps Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen hat sich für Le Pen eine wohl einzigartige Gelegenheit aufgetan. Einige von uns haben sogar überlegt, nur halb im Scherz, wohin wir wohl flüchten würden, falls Le Pen gewinnen sollte. Gute Alternativen sind rar gesät zwischen einem Großbritannien, das die Europäische Union verlässt und den USA unter Trump.

Zum Glück haben Vernunft und Hoffnung über Wut und Angst gesiegt, und die französischen Bürger haben den Unkenrufen getrotzt, dass der Populismus im Land der Französischen Revolution triumphieren könnte. Ein Wahlsieg Le Pens ist zwar theoretisch möglich, aufgrund der Zusammensetzung der französischen Wählerschaft aber äußerst unwahrscheinlich. Nur sehr wenige Wähler des ausgeschiedenen linken Kandidaten Mélenchon werden ins rechtsextreme Lager wechseln. Und auch wenn einige Anhänger des Mitte-Rechts-Kandidaten François Fillon nun für Le Pen stimmen könnten, wird es nicht ausreichen, um die Wahl zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Die französische Ausnahmestellung ist quasi gesund und munter. Frankreichs nonkonformistische Wählerschaft hat der Welt – insbesondere der angelsächsischen – gezeigt, dass man seine prägenden Werte nicht verraten muss, um dem Populismus eine Absage zu erteilen. Trotz der jüngsten Welle terroristischer Anschläge haben die Franzosen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einer Politik der Angst bewiesen. Und obwohl die Euroskepsis zunimmt, hat der proeuropäische Macron mehr Stimmen bekommen als alle anderen Kandidaten.