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gros121_Thomas LohnesGetty Images_mario draghi Thomas Lohnes/Getty Images

Wer hat Angst vor niedriger Inflation?

BRÜSSEL – Vor einem Jahr nutzte die Europäische Zentralbank einen zeitweisen Anstieg der Preise, um ihren Kampf, die Inflation in der Eurozone an ihren Zielwert von “unter, aber nahe 2%” zu bringen, für siegreich zu erklären. Aber der Triumph hat sich als kurzlebig herausgestellt. Seitdem sind die tatsächliche Inflationsrate und die um die volatilen Energiepreise bereinigte Kerninflation wieder auf etwa 1% gesunken. Dies sollte der EZB aber keine allzu großen Sorgen bereiten.

Die EZB-Mitarbeiter erwarten immer noch, dass die Inflation in der Eurozone in den Jahren 2021-2022 die 2%-Grenze erreicht. Aber da sie bereits für die letzten paar Jahre einen Anstieg vorhergesagt hatten, haben ihre Prognosen nun an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Dies wird an den Erwartungen der Finanzmärkte deutlich, die sich in den so genannten Inflations-Swap-Sätzen äußern. Diese liegen unterhalb von 1% – sogar für bis zu fünf Jahre in die Zukunft. Und die Prognose der Märkte für die Inflation in zehn Jahren liegt immer noch unter 1,5%.

Dies bringt die EZB in ein Dilemma. Die Wirtschaft der Eurozone verlangsamt sich, was den Inflationsdruck weiter schwächen könnte. Aber die EZB traut sich nicht, zur Stimulation der Wirtschaft ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen neu aufzulegen, weil die nationalen Notenbanken der Eurozone bereits jetzt große Mengen der Anleihen ihrer eigenen Regierungen halten. Kaufen diese Notenbanken noch mehr davon, könnten sie, sollten die Regierungen unter finanziellen Druck geraten, in eine sehr schwierige Lage kommen. Dies ist der Grund, warum sich die EZB bislang auf Ankündigungen beschränkt hat, sie werde die Geschäftsbanken weiterhin mit längerfristigen dreijährigen Finanzierungsmöglichkeiten zu extrem niedrigen Zinsen versorgen.

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