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Die zwei Hasen des Welthandels

SEOUL – Ein altes Sprichwort sagt, wenn man zwei Hasen gleichzeitig jagt, entkommen beide. Und müssen viele Regierungen heute genau dies tun: sowohl Wachstum als auch Verteilungsgerechtigkeit anstreben. Diese zwei Ziele schließen sich zwar nicht gegenseitig aus, sind aber völlig verschieden, und es gibt wenig Maßnahmen, die für beide geeignet sind.

In der Handelspolitik ist diese Idee sehr wichtig. Durch viele theoretische und empirische Forschungen wurde gezeigt, dass durch die Öffnung des Handels das BIP-Wachstum eines Landes gefördert werden kann. Aber die Vergrößerung des Kuchens bedeutet noch nicht, dass er fair verteilt wird.

Oft wir die Wachstumszunahme, die durch Handelsöffnung erreicht wird, ungleichmäßig verteilt, und manchmal erhalten einige gar einen kleineren Anteil als zuvor. Hier muss die Regierung mit ihren traditionellen Mitteln der Besteuerung und Umverteilung sowie mit ergänzenden Maßnahmen wie sozialen Sicherheitsnetzen und Anpassungshilfen eingreifen.

Ebenso kann, aus globaler Perspektive betrachtet, die Öffnung des Handels zum allgemeinen Wirtschaftswachstum der Welt beitragen, was aber nicht garantiert, dass der Nutzen gleichmäßig unter den Ländern verteilt wird. Einige meinen, kein Land erleide durch die Öffnung des Handels absolut betrachtet Verluste, da es sonst an Freihandelsgeschäften gar nicht erst teilnehmen würde. Trotzdem bedeutet die ungleiche Verteilung des durch globale Handelsöffnung erzielten Nutzens, dass einige Länder, insbesondere die am wenigsten entwickelten, vergleichsweise wenig erreichen und möglicherweise sogar darunter leiden.