Das Leben nach Darwin

MARSEILLE – In der Wahrnehmung vieler griechischer Philosophen befand sich die Welt in ständiger Bewegung – in einem Prozess konstanter Evolution. In der Welt Charles Darwins gab allerdings der Kreationismus die Regeln für die Wissenschaft vor.  Die Grundlagen seiner Evolutionstheorie bilden daher die in seiner Zeit vorherrschende  wörtliche Auslegung der Bibel kombiniert mit Aristoteles’ Vision einer definitiv festgelegten Natur.

Gemeinsam mit J.B. Lamarck propagierte Darwin die Vision einer sich verändernden Welt, wobei allerdings die Vorstellung gewahrt blieb, dass sich Organismen aus einer gemeinsamen Wurzel entwickelten -  im kreationistischen Weltbild waren das Adam und Eva,  die später in Form des „Last Universal Common Ancestor“ (letzter universeller gemeinsamer Vorfahre, LUCA) Eingang in ein neuzeitliches Weltbild fanden. Aus diesem Überbleibsel der biblischen Schöpfungsgeschichte entstand neben anderen wichtigen Konzepten wie dem Gradualismus (die Ansicht, dass Artenbildung nicht abrupt verläuft) und der Idee, dass schon ein geringer Selektionsdruck mit der Zeit profunde Auswirkungen auf verbesserte Fitness haben kann, auch die Idee von einem Baum des Lebens. 

Trotz hartnäckiger Fragen, die durch Faktoren wie dem lateralen Gentransfer, der neutralen Evolution oder chaotischer Engpässe in der natürlichen Selektion aufgeworfen wurden, blieb die Biologie des 20. Jahrhunderts zutiefst von Darwins Weltbild beeinflusst. Neuere genetische Forschungsergebnisse widerlegen dieses Weltbild jedoch ganz eindeutig.

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