Libyens unwillige Revolutionäre

TRIPOLIS – Ägypten ist nicht der einzige Ort, an dem die Hoffnungen des Arabischen Frühlings auf dem Rückzug sind. Bei Angriffen auf westliche Regierungen und ethnischen Konflikten in abgelegenen Wüstenoasen kommt die Revolution in Libyen ins Stocken.

Schuld an den momentanen Schwierigkeiten Libyens ist vor allem die Übergangsregierung, die den Aufstand angeführt hatte. Der Nationale Übergangsrat (NÜ) weigert sich, schwierige Entscheidungen zu treffen, und überlässt sie statt dessen einer zukünftigen gewählten Regierung. Der NÜ hat viel von der institutionellen Lähmung und dem reflexhaften Verhalten übernommen, die typisch für das gestürzte Regime von Oberst Muammar al-Gaddafi waren. Soll die libysche Revolution ein Erfolg werden, müssen die neuen Führer des Landes einen klaren Bruch mit dem Geist der Vergangenheit herbeiführen.

Während seiner 42 Jahre an der Macht hatte sich Gaddafi mit Beratern, die ihn seit seiner Jugend begleitet hatten, und einer kleinen Gruppe von Technokraten umgeben. Daher haben die Anführer der Revolte, die zu seinem Sturz führte, wenig Regierungserfahrung. Allgemein wurde erwartet, dass in einem Land, in den jegliche politische Aktivität als Verrat angesehen worden war, die Neulinge des NÜ früh und oft ins Stolpern geraten würden. Und genau das ist geschehen.

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