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Revolutionäre Muse der Freiheit

Große Denker im Bereich der Gesellschaftswissenschaften beginnen fast immer als polarisierende Figuren – von manchen bewundert, von anderen gehasst –, bis ihre radikale Kampfansage an unser Verständnis der Welt sich schließlich durchsetzt. Milton Friedman war ein Gigant unter den modernen gesellschaftswissenschaftlichen Denkern, und zwar aus mindestens zwei Gründen: Erstens übte er einen enormen Einfluss nicht nur in seinem eigenen Fachgebiet, den Wirtschaftswissenschaften, aus sondern auch in den Gesellschaftswissenschaften allgemein. Zweitens veränderte er, sofern man historischer Erfahrung glauben darf, über seinen Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Wirtschaftspolitik das Leben zahlloser Menschen zum Besseren.

Für Jahrzehnte blieb Friedman ein Gestrandeter in der intellektuellen Wildnis; er verachtete den Nachkriegskonsens, dass Regierungen die Finanzpolitik nutzen sollten, um die Gesamtnachfrage zu steuern – eine Sicht, die die dirigistische Wirtschaftspolitik während der gesamten 1970er Jahre stützte. In der Tat war Friedman, im Zusammenhang seiner Zeit betrachtet, ein wahrer intellektueller Revolutionär: Er verknüpfte stringente akademische Forschung und elegant abgefasste populäre Bücher und journalistische Schriften, um für die freie Marktwirtschaft zu argumentieren – und um die von Schriftstellern von Adam Smith bis hin zu Friedrich von Hayek verteidigte Verbindung zwischen wirtschaftlicher und politischer Freiheit zu bekräftigen.

Im Bereich der Ökonomie belebte Friedman die monetaristische Theorie, wonach die im Verkehr befindliche Geldmenge die hauptsächliche Determinante für die Entwicklung einer Volkswirtschaft ist, neu und entwickelte sie weiter. In seinem Meisterwerk, A Monetary History of the United States, 1867-1960 (verfasst zusammen mit Anna Schwartz), führte er in berühmt gewordener Weise Rezessionen, einschließlich der Großen Depression der 1930er Jahre, auf eine Abnahme der Geldmenge zurück. In ähnlicher Weise argumentierte er, dass ein Überangebot an Geld Inflation verursache.

In den 1960er Jahren zeigte Friedman, dass die keynesianische Nachfragesteuerung durch Steigerung der Staatsausgaben die umlaufende Geldmenge fortlaufend erhöht und so Lohn- und Preissteigerungen beschleunigt. Zusammen mit Edmund Phelps – dem diesjährigen Nobelpreisträger – bewies er, dass keine stabile Wechselbeziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation besteht. Die beiden zeigten auf, dass jeder Versuch, mittels expansionistischer staatlicher Strategien die Arbeitslosigkeit unter ein bestimmtes Niveau zu drücken, Inflationserwartungen anheizt und Wirtschaftswachstum wie Beschäftigung untergräbt. Diese Analyse sah die Kombination wachsender Inflation und wachsender Arbeitslosigkeit während der 1970er Jahre, die in der Folge als „Stagflation“ bekannt werden sollte, vorher und erklärte sie zugleich.