0

Brief aus Palästina

Sind Israelis und Palästinenser wirklich bereit, ein Friedensabkommen zu schließen? In den letzten Monaten hat die Entwicklung rasch an Dynamik gewonnen. Auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung schien es, als werde ein Hindernis nach dem anderen wurde aus dem Weg geräumt. Nach dem Tod Jassir Arafats wurde in einer direkten Wahl mit allgemeinen Wahlrecht sein Nachfolger bestimmt. Damit einher ging Israels Entscheidung – die einzigartig ist auf der Welt – den demokratischen Prozess in den von ihm besetzten Gebieten nicht zu behindern, sondern zu fördern. Daher gibt es auch keinen Zweifel an der Legitimität des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas.

Nachdem der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon den beabsichtigten unilateralen Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen ankündigte, ist auch die Besatzung wieder eine offene Frage, die Chancen auf weitere Fortschritte bietet. Tatsächlich trug auch die Unterstützung des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak für den Rückzug aus Gaza dazu bei, die Tür für echte Verhandlungen zu öffnen.

Eine derartig beeindruckende Serie von Ereignissen hat es in dieser problembehafteten Region schon lange nicht gegeben. Das veranlasst viele - innerhalb und außerhalb des Nahen Ostens – wieder zu Optimismus. Sogar Sharon riskiert ein paar positive Äußerungen und amerikanischen Diplomaten ist die Erleichterung darüber anzusehen, dass endlich Fortschritte auf dem Weg zum Frieden erzielt werden können.

Ich bin gerade aus Palästina zurückgekehrt, wo ich an der Spitze einer fast fünf Wochen dauernden Mission mit EU-Beobachtern stand – die größte EU-Mission bisher – und kann diese an Dynamik gewinnenden Bestrebungen in Richtung Frieden bestätigen. Am Wahltag und während der Stimmauszählung gehörten dieser Delegation 260 Personen an, 40 davon blieben die ganzen fünf Wochen über in der Region.