Die Verhandlungen sollen beginnen

Nachdem im Mai zehn neue Mitgliedsländer – davon acht ehemalige kommunistische Länder mit einem bedeutend niedrigeren wirtschaftlichen Niveau – erfolgreich integriert wurden, müsse nun Schluss sein, wird mancherorts argumentiert. Die Ziehung eines Schlussstriches unter die Erweiterung wäre allerdings sowohl eine vertane Chance für die EU als auch ein harter Schlag für Länder am Balkan und anderswo, denn die Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft ist für diese Länder ein bedeutender Anreiz für Reformen und Erneuerung.

Griechenland weiß das sehr gut. Es war unser Glaube an Europa als Katalysator für Frieden und Wohlstand, der uns zur Unterstützung der türkischen EU-Bestrebungen veranlasste. Als Regierung der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK), während meiner Amtszeit als Außenminister, mit ihrer Politik der griechisch-türkischen Annäherung begann, standen viele Menschen der Absicht, Beziehungen zu einem alten Feind zu reaktivieren, misstrauisch gegenüber. Die Veränderung tief verwurzelter Grundhaltungen konnte nicht über Nacht erreicht werden: Dazu bedurfte es eines schrittweisen Prozesses vertrauensbildender Maßnahmen auf allen Ebenen, von der Basis bis in die Höhen politischer Macht.

Fünf Jahre später sprechen die Resultate für sich. Griechenland und die Türkei haben achtzehn, für beide Seiten vorteilhafte Übereinkünfte in Bereichen wie Handel und Energie, Umweltschutz und dem Kampf gegen das organisierte Verbrechen unterzeichnet. Es ist unbestritten, dass starke bilaterale Beziehungen gut für Griechenlands Wirtschaft und Sicherheit sind.

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