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Der wahre Wert des Geldes

Auf der ganzen Welt leiden die Menschen an einer schwerwiegenden Fehlwahrnehmung, die sie daran gehindert hat, konkrete Maßnahmen zu ihrem eigenen Schutz vor Inflation und Deflation zu ergreifen. Dieser Fehler wird die „Geldillusion“ genannt – der Glaube daran, dass eine nominale Währungseinheit das beste Wertmaß ist, obwohl ihr realer Wert unbeständig ist.

In der Geschichte hat das Versäumnis, sich vor Inflation und Deflation zu schützen, dazu beigetragen, unheilvolle Ergebnisse schneller herbeizuführen. Als Deutschland 1923 von einer spektakulären Inflation heimgesucht wurde, löschte diese den realen Wert der (ungesicherten und unindexierten) Lebensersparnisse und Sozialversicherungsleistungen von Millionen von Menschen aus, deren Wut zum Aufstieg des Nationalsozialismus beitrug.

Genauso hat eine spektakuläre Deflation in vielen Ländern der Welt in den frühen 1930er Jahren den realen Wert von (ungesicherten und unindexierten) Schulden vergrößert, was millionenfach zu Zahlungsverzug und Bankkonkursen führte. Die Deflation bauschte auch den realen Wert von Löhnen und Gehältern auf und förderte dadurch Entlassungen und Arbeitslosigkeit. Die unterlassene Sicherung und Indexierung brachte uns die Weltwirtschaftskrise. In weiten Teilen spiegelt auch Japans wirtschaftliche Missstimmung der letzten Jahre (ungesicherte und unindexierte) Schulden wider, die seit 1999 durch die Deflation aufgebläht wurden.

2003 beschwor eine IWF-Studie das Gespenst ähnlicher Probleme wie in Japan auf der ganzen Welt herauf und führte dreizehn Länder mit gemäßigtem bis hohem Deflationsrisiko auf, unter anderem China, Deutschland, Singapur und Polen. Dennoch haben die meisten Menschen, trotz überwältigender Beweise für die Bedeutung des Inflations- und Deflationsrisikos, selbst in den Ländern, die gewarnt wurden, im Allgemeinen immer noch keine Schritte unternommen, um sich zu schützen.