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Die Lehren aus der Wahl in Amerika

STANFORD – Donald Trumps überraschende Wahl zum 45. Präsidenten der USA hat eine ganze Heimindustrie von Wahlanalysen und Vorhersagen ausgelöst, und zwar nicht nur in Amerika, sondern auch im Ausland. Einige sehen eine Korrelation zwischen Trumps Wahlsieg und dem allgemeineren Trend in Richtung Populismus im Westen und insbesondere in Europa, der durch das britische Votum zum Austritt aus der Europäischen Union vom Juni beispielhaft verdeutlicht wird. Andere konzentrieren sich auf Trumps Attraktivität als Außenseiter, der imstande ist, das politische System auf eine Weise aufzumischen, wie das seine Gegnerin, die frühere Außenministerin Hillary Clinton – die Verkörperung einer politischen Insiderin – nie könnte. Es mag etwas dran sein an diesen Erklärungen, insbesondere an Letzterer. Aber sie greifen zu kurz.

In den Monaten vor der Wahl wiederholten etablierte Medien, Analysten und Kommentatoren immer wieder, dass Trump eine extrem geringe Chance auf den Wahlsieg hätte. Sie übersahen dabei das Ausmaß der wirtschaftlichen Ängste von Arbeiterfamilien in wichtigen Staaten, die durch von der technischen Entwicklung und der Globalisierung verursachte Verzerrungen ausgelöst wurden.

Doch wie ich schon zwei Monate vor der Wahl beleuchtet hatte, reichten diese Frustration und das Gefühl, ignoriert und abgehängt zu werden, sehr weit, und es war Trump, der dieser Gruppe endlich das Gefühl gab, wahrgenommen zu werden. Darum erkannte ich die Möglichkeit eines Überraschungssieges von Trump trotz Clintons deutlicher Führung in den Meinungsumfragen (fünf Punkte unmittelbar vor der Wahl).

Und genau das passierte. Trump gewann knapp in Staaten, in denen die Republikaner in Jahrzehnten nicht gewonnen hatten (Wisconsin, Michigan und Pennsylvania) und erzielte einen Erdrutschsieg im normalerweise hart umkämpften Ohio.