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Lateinamerikas gescheiterte makroökonomische Diktaturen

von Enrique Dussel Peters

In den Neunzigerjahren wurde den Lateinamerikanern auf die Schulter geklopft, weil sie sich zu guter Letzt von den Militärdiktatoren befreiten, die die Geschichte des Kontinents verschandelt hatten. Doch die Diktatur der Generäle wurde, leider, durch die Diktatur einer Idee ersetzt: makroökonomische Stabilisierung. Jetzt beginnt auch diese Diktatur zu bröckeln. Hoffentlich wird sie schnell begraben.

Infolge des völligen Zusammenbruchs Argentiniens und des nachlassenden Wirtschaftswachstums überall in der Region, sind die wirtschaftspolitischen Debatten intensiver geworden. Was, fragen die Menschen, hat Lateinamerika wirklich durch die restriktive makroökonomische Politik gewonnen, die es nach der Schuldenkrise der Achtzigerjahre weitestgehend verfolgt hat? Geht es den Menschen besser? Hat der Kontinent irgendetwas aus dieser Erfahrung gelernt? Ist es für diesen Diktator an der Zeit zu gehen?

Anfang der Achtzigerjahre, nach Jahrzehnten einer makroökonomischen Politik, die Importsubstitution in den Vordergrund stellte, steckten weite Teile Lateinamerikas in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten dreistellige Inflation, riesige Haushaltsdefizite und negative Wachstumsraten. Daraufhin begann eine Gruppe lateinamerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, ausgebildet an amerikanischen Universitäten, eine vollkommen andere Entwicklungsstrategie anzuregen.